Finanzaufsicht

Damit das nicht noch mal passiert ...


Zwei Jahre danach: Die Konsequenzen aus der Bankenkrise

Vor zwei Jahren begann ein globales Dominospiel, das gar nicht lustig war. Der erste Stein, der umfiel, war die US-Bank Lehman Brothers: pleite! Auch wir hatten wacklige Dominosteine; mit Steuergeldern mussten wir Banken retten. Haben Politik und Finanzwirtschaft daraus gelernt?

Banken brauchen mehr Eigenkapital

Jedenfalls gibt es eine Reihe von Maßnahmen. Hier die fünf wichtigsten:

  • Erstens müssen Geldhäuser künftig bei Kreditvergabe und anderen riskanten Geschäften mehr Eigenkapital nachweisen. Das Regelwerk „Basel III“ wird gerade auf internationaler Ebene ausgehandelt. In Deutschland kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schon jetzt im Einzelfall mehr Eigenkapital verlangen. „Früher konnten wir erst eingreifen, wenn es zu spät war“, sagt Sprecher Ben Fischer. „Nun geht das schon, wenn sich Risiken abzeichnen.“
     
  • Zweitens nimmt die Bafin die Leute unter die Lupe, die in den Aufsichtsräten der Banken die Fäden ziehen. „Wir kontrollieren, ob sie die nötige Sachkunde haben“, so Fischer. Mit Folgen: Derzeit laufen zehn Abberufungsverfahren.
  • Drittens hat die Bafin demnächst bessere Handhabe gegen kriselnde Banken: Sie kann ein Geldhaus gegen den Willen seiner Aktionäre ab­wickeln – laut Restrukturierungsgesetz. Es soll Ende 2010 in Kraft treten.
     
  • Viertens sieht dieses Ge­setz auch eine Bankenabgabe vor. Die deutschen Geldhäuser zahlen jährlich 1,3 Milliarden Euro in einen neuen Rettungsfonds. Freilich ist das vorerst kein allzu dickes Polster.
     
  • Fünftens gelten dank einer EU-Richtlinie inzwischen strengere Regeln für den Handel mit „Verbriefungen“: Wenn Banken Geld verleihen und ihre Forderungen dann gebündelt weiterverkaufen, müssen sie von diesen neuen Finanzprodukten 5 Prozent selbst behalten, ab 2012 hier-zulande sogar 10 Prozent. So tragen sie anders als früher einen Teil des Risikos mit. Der Handel mit Verbriefungen war einer der Auslöser der Krise.

 

Pro Bundesbürger hat die Bankenrettung je nach Szenario 417 bis 632 Euro Steuergeld gekostet. Das hat der Münchner Wirtschaftsprofessor Christoph Kaserer errechnet. Das Geld steckt in Bürgschaften und Beteiligungen. Es ist nicht weg – sondern fließt, wenn es gut läuft, an den Staat zurück.

Spareinlagen sind gut abgesichert

Fazit: Zwei Jahre nach „Lehman“ kann zwar keiner künftige Krisen ausschließen – aber es wäre wohl leichter, die Auswirkungen in Grenzen zu halten. Und nach der Panik vor zwei Jahren, die trotz der umfangreichen gesetzlichen und branchenspezifischen Einlagensicherung um sich gegriffen hatte, ist bei den Kleinanlegern Ruhe eingekehrt.

Bleibt die Frage: Werden wir heute besser beraten? Die Stiftung Warentest hat Versuchskaninchen hingeschickt. Von 21 Banken und Sparkassen bekam keine die Note „gut“ oder „sehr gut“. Sechs sind sogar „mangelhaft“.

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