Verkehr

Da sind wir aber platt


Der Trend zum Fahrrad schont die Umwelt. Wirklich? So sauber ist die Öko-Bilanz gar nicht …

Köln. Rauf aufs Rad, los geht’s. Die frische Luft genießen – und das tolle Gefühl, gut zur Umwelt zu sein. Kein Sprit-Verbrauch. Kein klimaschädliches Kohlendioxid. Da rümpft man beim Anblick der Autos doch gern die Nase.

So sieht sie aus, die heile Welt der Pedalritter. Doch so umweltfreundlich, wie die meisten glauben, ist das Rad nicht – rechnet man auch Herstellung und Entsorgung mit ein. Das zeigt unsere überraschende Öko-Bilanz.

Das Problem mit dem giftigen Schlamm

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland vier Millionen Fahrräder verkauft. Wie bei vielen anderen Dingen auch, gibt es beim Rad einen Trend zu immer aufwendigerer Technik. Damit sich der Radfahrer nicht so sehr abstrampeln muss, setzen die Hersteller auf leichte Materialien. Und genau das ist ein Problem für die Umwelt.

Die Materialbilanz: Früher gab es nur den klassischen Stahlrahmen. Heute dominieren Konstruktionen aus Alu. „Um einen Stahlrahmen herzustellen, werden 3,4 Kilo an klimaschädlichem Kohlendioxid freigesetzt“, sagt Thorsten Gerdes, Material-Experte an der Uni Bayreuth. Beim Alurahmen ist es deutlich mehr. Aber nicht nur der Energieaufwand in der Fertigung ist höher.

„Pro Tonne Aluminium fallen 1,5 Tonnen giftiger Rotschlamm an, der zu entsorgen ist“, so Gerdes. Klar, das ist nur ein Klacks im Vergleich zur Produktion eines Autos. Dort wird nicht nur deutlich mehr von beiden Materialien eingesetzt. Es werden auch mehr als 10 Tonnen Kohlendioxid in die Luft gepustet.

 

Die Bewegungsbilanz: Obwohl die Räder konsequent auf leicht getrimmt werden, tun wir uns mit dem Radfahren so schwer: Jeder Deutsche kommt pro Jahr im Schnitt nur auf 300 Kilometer. Bei einer Lebensdauer von acht bis zehn Jahren ergibt das allenfalls 3.000 Kilometer, schätzen die Experten der Schweinfurter Firma Velotech, die Fahrräder Dauertests unterzieht.

Was nutzt also ein im Vergleich zum Auto so umweltfreundliches Verkehrsmittel, wenn es kaum bewegt wird – oder schnell kaputt geht?

Die Nachhaltigkeitsbilanz: Viele der 69 Millionen Fahrräder hierzulande stehen nur rum und vergammeln. Das kann jeder beobachten, der regelmäßig an einem großen Bahnhof vorbeikommt. Allein die Stadt Köln musste im vergangenen Jahr 1.790 kaputte Räder entsorgen, weil der Halter nicht mehr aufzufinden war.

Dazu kommen noch die zahllosen Räder, die sich ungenutzt im Keller die Reifen plattstehen. Ernst Brust, Chef von Velotech, kennt den Grund. „Das sind oft schwergängige Billigräder. Damit fährt man höchstens zum Bäcker. Oder nimmt lieber gleich das Auto.“

Und wie lässt sich das angekratzte Öko-Image aufpolieren? Kette ölen, Reifen aufpumpen, losfahren!

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