Nobelpreisträger

Coole Opas begeistern die Kids


Gerhard Ertl beschrieb den "Tanz der Atome" im Kat – und Peter Grünberg ist der Vater der Gigabytes.

1. Gerhard Ertl:

Beschrieb den „Tanz der Atome“ im Kat

Schüler finden ihn „cool“: Das freut Professor Gerhard Ertl. Sein Chemie-Nobelpreis erleichtert die Suche nach dem technischen Nachwuchs von morgen.

AKTIV: Sind Sie als Nobelpreisträger jetzt ein Vorbild?

Ertl: Für manche jungen Leute ganz sicher. Meine Enkelkinder finden es jedenfalls „cool“, einen Nobelpreisträger als Opa zu haben. Als dies am 10. Oktober bekannt wurde, herrschte in ihrer Schulklasse regelrecht Euphorie. Ich empfand das als gutes Zeichen:

Die Auszeichnung steigert das Interesse für die naturwissenschaftlichen Fächer.

AKTIV: Positive Gefühle sind da also hilfreich?

Ertl:Na klar! Im Alter von zehn, elf Jahren kann man die Kleinen noch anhaltend begeistern. Das müssen wir wieder mehr schaffen. Denn wir brauchen gute Physiker, Chemiker und Ingenieure, wenn wir auch in Zukunft auf der Welt mithalten wollen.

AKTIV: Zwei Nobelpreise auf einen Schlag – sind wir jetzt in der Wissenschaft wieder vorn?

Ertl:Wir waren gar nicht hinten. Die deutsche Forschung war nie schlecht. Wir reden sie nur schlecht. Vielleicht kommt diese Botschaft jetzt mehr in den Köpfen an. Unsere Wissenschaft steht

gut da, auch im internationalen Vergleich. Allein die Max-Planck-Gesellschaft hat seit 1984 zwölf Nobelpreisträger hervorgebracht.

AKTIV: Muss sich der Forschungsstandort Deutschland selbstbewusster darstellen?

Ertl: Vielleicht sind unsere Gründlichkeit und Zweifel kontraproduktiv: Wir neigen anders als die Amerikaner nicht dazu, mit den Aussagen über unsere Forschung zu übertreiben und groß zu trommeln. Doch wenn es zum Schwur kommt und Forschungsergebnisse auf einer Tagung vorgestellt und diskutiert werden, dann haben die Beiträge aus Deutschland den gleichen Stellenwert wie die aus den USA. 

AKTIV: Können Sie auch Otto Normalverbraucher erklären, was Sie erforscht haben?

Ertl: Wir haben uns diesen „Tanz“ der Atome und Moleküle auf der Oberfläche von Katalysatoren angeschaut.

AKTIV: Wie bitte?

Ertl: Die meisten von uns fahren Auto. Da ist häufig ein Katalysator drin – der die Abgase Stickoxid und Kohlenmonoxid in weniger schädliche Stoffe wie Kohlendioxid und Stickstoff umwandelt: Durch den Kontakt zur Katalysator-Oberfläche ändern sich die Eigenschaften der Schadstoffe, sodass sie zu  neuen Stoffen reagieren können. Dies passiert ständig und immer wieder neu, ohne dass sich der Katalysator selbst dabei verändert.

AKTIV: Was genau haben Sie erforscht?

Ertl:Wir haben untersucht, wie das im Einzelnen vor sich geht. Und zwar bei der Herstellung von Ammoniak für die Düngemittel-Produktion und beim Abbau von Autoabgasen.

AKTIV: Was bringt Ihre Forschung für die industrielle Praxis?

Ertl: Es ist Grundlagen-Forschung: Der Einsatz von Katalysatoren ist damit erstmals von einer „schwarzen Kunst“ zu einer exakten Wissenschaft geworden. Und mit diesem Wissen können die Firmen ihre Entwicklungen auf dem Gebiet der Katalyse effizienter vorantreiben.

AKTIV: Die Forschung, für die Sie jetzt belohnt wurden, ist schon 20 Jahre alt. Ist Katalyse ein Thema von gestern?

Ertl: Ganz im Gegenteil. Nur mit Hilfe der Katalyse können wir zum Beispiel die Rohstoffe und Treibstoffe der Zukunft umweltschonend aus Erdgas oder Biomasse gewinnen.

2. Peter Grünberg:

Vater der Gigabytes

Der MP3-Player – Kultobjekt von Millionen Jugendlichen. Dass der Musikspeicher so handlich ist, dafür können sich die Kids bei Physik-Nobelpreisträger Professor Peter Grünberg bedanken: Ohne ihn müssten sie ein Riesen-Gerät schleppen.

1988 entdeckte Grünberg im Forschungszentrum Jülich bei Aachen den „Riesen-Magnetwiderstand“, kurz GMR genannt. Er ist das Ergebnis ultradünner, übereinandergestapelter Schichten aus magnetischen und nicht magnetischen Materialien, etwa Eisen und Chrom.

Schon ein kleines Magnetfeld ändert den elektrischen Widerstand massiv wie ein Schalter.

Dadurch kann ein Lesekopf auch kleinste, magnetisierte Bereiche auf der Festplatte erkennen und lesen. Vorteil: Die Magnetpunkte für die Daten konnten deutlich kleiner werden – und damit auch die Festplatten. „Das lag auf der Hand“, sagt Grünberg heute.

Die Jülicher meldeten sofort das Patent an, noch vor dem Mitentdecker des GMR, dem jetzt ebenfalls geehrten Franzosen Albert Fert. 1997 kam der erste GMR-Lesekopf auf den Markt. Von da an schoss die Speicherkapazität der Festplatten von Megabyte auf Gigabyte hoch.

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Schlagwörter: Forschung

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