Treibstoff für den Fortschritt

Chip-Industrie: Auch in Deutschlands „Silicon Valley“ wird kräftig produziert

Computer-Chips kommen aus den USA oder Asien, denken viele. Aber auch deutsche Hersteller mischen in dem Geschäft kräftig mit. Und haben bei Spezial-Chips für Autos, Anlagen und das intelligente Heim sogar die Nase vorn.

Produktion bei Bosch in Reutlingen: Eine Mitarbeiterin belädt eine Maschine mit Silizium-Rohlingen. Foto: Werk

Produktion bei Bosch in Reutlingen: Eine Mitarbeiterin belädt eine Maschine mit Silizium-Rohlingen. Foto: Werk

Silizium-Wafer: Daraus fertigen Maschinen Hunderte Mikrochips. Foto: Werk

Silizium-Wafer: Daraus fertigen Maschinen Hunderte Mikrochips. Foto: Werk

Spezial-Chip: Er misst Feuchtigkeit, Druck und Temperatur in Fitnessarmbändern oder Thermostaten. Foto: Werk

Spezial-Chip: Er misst Feuchtigkeit, Druck und Temperatur in Fitnessarmbändern oder Thermostaten. Foto: Werk

Dresden. Sie sind nur wenige Quadratzentimeter groß, tragen zahllose Schaltkreise und werden immer leistungsfähiger: Rechen-Chips. Sie stecken in PCs, Laptops, Tablets. Sie machen Smartphones zu Mini-Computern, mit denen man im Internet surfen, Fotos knipsen, Filme streamen kann. Und sie stecken in Maschinen. Kurz: Sie sind der Treibstoff der Digitalisierung.

Durch den Wettbewerb von Geräte- und Chip-Herstellern werden sie in unglaublichem Tempo besser: Ungefähr alle zwei Jahre verdoppeln die Tüftler von Intel, AMD oder Samsung die Zahl der auf dem Chip untergebrachten Transistoren – und damit ihre Leistungsfähigkeit. Trug 1971 der erste Mikrochip 2.300 elektrische Schaltungen, sind es heute rund sieben Milliarden.


Auch deutsche Hersteller mischen in dem Geschäft mit: Infineon und Bosch etwa. Ihre Stärke sind Spezial-Chips für Autos, Anlagen, das intelligente Heim und das Internet der Dinge. „Diese Einsatzgebiete entwickeln sich gerade zu den Wachstumsmaschinen für das Halbleitergeschäft“, sagt Marcus Gloger, Geschäftsführer bei der Beratungsfirma PwC Strategy& Deutschland in München. „Und da haben die Europäer gegenüber den Chip-Riesen in den USA und Asien die Nase sogar vorn.“

Und was haben die Spezial-Chips Besonderes drauf? Bei einigen sind die Schaltungen für das Einsatzgebiet maßgeschneidert. Andere können hohe Ströme schalten und steuern, wieder andere wichtige Daten messen. Spezial-Chips lösen etwa den Airbag aus oder steuern Maschinenmotoren. Oder sie erfassen mit einem Sensor Drehungen und helfen so, das Handy-Display auszurichten. Chips können auch mit einer Mini-Membran ausgestattet werden – und dienen dann als Mikro fürs Smartphone. All das wird im Prinzip wie der Standardchip gefertigt: aus Siliziumscheiben („Wafern“) oder beschichteten Scheiben, in die dann jeweils ultrafeine Schaltkreise geätzt werden.

Weil die Nachfrage nach diesen Chips steigt, baut Bosch in Dresden für 1 Milliarde Euro ein neues Werk. Projektleiter Dr. Stefan Joeres: „Das ist die größte Einzelinvestition in der Konzerngeschichte.“ Ab 2021 sollen hier 700 Leute arbeiten. Die Bosch-Fabrik in Reutlingen, die ebenfalls Spezial-Chips produziert, ist weiterhin ausgelastet.

In Dresden betreibt der Wettbewerber Infineon bereits eines seiner größten Werke – und investierte dort in den letzten fünf Jahren 600 Millionen Euro. 2.000 Mitarbeiter stellen in dem Werk über 400 Produkte für Autos, Industrieanlagen und Kreditkarten her.

Die Region um Dresden hat sich seit der Wiedervereinigung zu einem Zentrum der Halbleiter-Industrie mit 2.200 Firmen entwickelt. US-Hersteller haben dort Fabriken, Zulieferer produzieren Foto-Masken, Siltronic fertigt die nötigen Silizium-Wafer. Unis und Institute betreiben Forschung.

Sie setzen vermehrt auf die Wachstumsmärkte vernetzte, selbstfahrende Autos und das Internet der Dinge. Ob Fernseher, Kühlschrank, Heizthermostat, Industrieanlage oder Fitnessarmband – die Zahl übers Internet miteinander verbundener Geräte soll sich bis 2020 verdreifachen. Sie alle brauchen Chips.

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