Forschungsstandort Deutschland

China holt bei den Patenten rasant auf – darauf muss die Politik bei uns reagieren

Auf den ersten Blick sieht alles wunderbar aus: Deutschland legte bei den Patentanmeldungen 2016 noch zu, um 1 Prozent auf über 25.000. Chinesische Firmen hingegen reichten sogar 25 Prozent mehr ein. Das sollte ein Weckruf sein.

Agrar-Roboter: Daran tüfteln Experten von Bosch. Foto: Bosch

Agrar-Roboter: Daran tüfteln Experten von Bosch. Foto: Bosch

Futuristisch: Das neue Forschungszentrum von Bosch in Stuttgart. Foto: Bosch

Futuristisch: Das neue Forschungszentrum von Bosch in Stuttgart. Foto: Bosch

Siemens-Innovationen: Krümmer aus dem 3-D-Drucker. Foto: Siemens

Siemens-Innovationen: Krümmer aus dem 3-D-Drucker. Foto: Siemens

Stuttgart/München. Ein Agrar-Roboter, der Pflanzen erkennt und Unkraut bekämpft. Ein Elektroauto, das kabellos neuen Strom tankt. Das intelligente Haus, in dem alles vernetzt ist: An diesen Zukunftstechnologien tüfteln die Forscher bei Bosch. Das Ergebnis schlägt sich in der Statistik des Europäischen Patentamts nieder.

Der Stuttgarter Konzern erhielt für seine Neuerungen letztes Jahr 1.482 Patente zugesprochen – so viele wie kein anderes Unternehmen weltweit. Zugleich meldete er 1.327 Neuerungen zum Schutz vor Ideenklauern neu an.

Bosch steht beispielhaft für deutsche Innovationskraft. Und Deutschland verteidigte 2016 mit über 25.000 Patentanmeldungen seine Position als erfindungsreichstes Land Europas. Weltweit lagen nur die USA mit 40.000 Anmeldungen vor uns. Insgesamt verzeichnete das Europäische Patentamt (EPA) in München knapp 160.000 Anträge – fast genauso viele wie 2015.

Die deutschen Anmeldungen zogen sogar leicht an, um 1 Prozent. Trotzdem gibt es keinen Grund, sich entspannt zurückzulehnen.

In der aktuellen Patent-Statistik zeigt sich eine erstarkende Konkurrenz aus China. So haben Firmen aus dem Fernostland die Zahl ihrer Anmeldungen um fast ein Viertel gesteigert, auf 7.150 – und Platz sechs weltweit erreicht. Wenn das so rasant weitergeht, müssen sich die westlichen Industrieländer auf einiges gefasst machen. China habe deutlich gemacht, „dass es zum weltweiten Zentrum für Forschung und Entwicklung werden will“, warnt EPA-Präsident Benoît Battistelli.




Und die deutschen Unternehmen reagieren. So hat etwa Bosch allein im letzten Jahr 6,6 Milliarden Euro für die Forschung ausgegeben. Der Konzern lässt in sieben Ländern an den Produkten von morgen arbeiten, auch in China. Zudem eröffnete das Unternehmen vor anderthalb Jahren in Stuttgart ein neues Forschungszentrum mit 400 Labors.

Wie wichtig Innovationen sind, zeigt auch die Größe der Patentabteilungen. Bei Siemens – mit 1.046 erhaltenen Patenten Platz vier der erfindungsreichsten Firmen 2016 – sind allein 400 Mitarbeiter mit Patentangelegenheiten beschäftigt.

Deren Chef Beat Weibel betont, dass man die „richtigen Patente“ haben müsse, auch mit Blick auf China. Es gelte vor allem, Neuerungen mit großem Marktpotenzial zu schützen. Schließlich stellen Patente für die Unternehmen oft Millionenwerte dar. Den teuren Nachahmer-Schutz können viele Betriebe aber nicht stemmen. Deshalb ist auch die Politik gefragt: So hofft EPA-Präsident Battistelli auf die Einführung eines Einheitspatents noch in diesem Jahr, das in 38 europäischen Ländern gelten soll. Bisher muss jedes Patent in jedem Staat einzeln zugelassen werden. Noch haben nicht alle Staaten die nötigen Regelungen abgesegnet.

Die Industrie fordert steuerliche Erleichterungen für die Forschung

Um den Erfinder-Standort D zu stärken, fordern der Industrieverband BDI und andere Wirtschaftsverbände zudem eine steuerliche Gutschrift auf mindestens 10 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Dadurch würden die Investitionen steigen, was die deutsche Wirtschaftsleistung um 3 Milliarden Euro im Jahr wachsen lassen würde, hat die Uni Mannheim errechnet. Auch die EU-Kommission empfiehlt solche Gutschriften.

Die Chancen dafür steigen. Inzwischen hat auch Finanzminister Wolfgang Schäuble, lange ein Gegner der Förderung, Gesprächsbereitschaft signalisiert.

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