Bauprojekte

Chemiebranche investiert kräftig und schafft Jobs – trotz schwierigem Umfeld

Ludwigshafen. Die gute Nachricht zuerst: Die Chemie-Industrie setzt auch 2014 auf Deutschland und investiert hierzulande stark. Bereits 2013 wurden die Mittel nach zwei Jahren mit fast gleichbleibendem Einsatz wieder aufgestockt. 6,4 Milliarden Euro flossen ins Inland, so der Verband der Chemischen Industrie – ein Plus von 2 Prozent.

Ob so hohe Summen auch künftig an den „Standort D“ gehen, ist aber fraglich. Den Grund nennt Kurt Bock, Chef des Chemie-Konzerns BASF in Ludwigshafen: „Wir haben die teuerste Energie und relativ hohe Lohnkosten.“

Er kritisiert, dass die Förderung von Schiefergas mithilfe sogenannter Fracking-Technologien bei uns nicht untersucht werden darf. Und: Der europäische Chemiemarkt ist in den vergangenen Jahren in einigen Ländern sogar geschrumpft. Bock: „All das bremst die Investitions-Euphorie in der Branche.“

Deshalb kündigte er bereits an, in den nächsten Jahren anteilig weniger in der Heimat zu investieren.

Noch aber nimmt die Branche viel Geld in die Hand, wie die folgenden Beispiele zeigen:

1. Rund 1 Milliarde Euro für das BASF-Stammwerk

Es ist die größte Einzelinvestition in der 150-jährigen Geschichte der BASF: Der Konzern steckt in Ludwigshafen derzeit 1 Milliarde Euro in den Bau einer neuen Fabrik für die Chemikalie TDI und die Erweiterung von Anlagen für Vorprodukte. Die Abkürzung TDI steht für den Zungenbrecher Toluylendiisocyanat, eine Flüssigkeit, die man für die Herstellung von weichen Kunststoffschäumen braucht – zum Beispiel für Matratzen und Möbel.

2015 soll die Produktion anlaufen. 200 neue Arbeitsplätze entstehen.

2. 250 Millionen Euro für neue Anlage bei Bayer

Auf das Kunststoffvorprodukt TDI setzt auch der Leverkusener Konzern Bayer: Bis Ende des Jahres soll in Dormagen bei Bayer MaterialScience eine neue Anlage an den Start gehen – für 250 Millionen Euro.

Gut 30 Kilometer südlich im Industriepark Knapsack erfreut sich wiederum die Pflanzenschutz-Sparte Bayer CropScience über starke Auslastung. Hier nimmt der Konzern 25 Millionen Euro für Anlagenerweiterungen in die Hand.

3. 100 neue Jobs bei Takeda dank Magen-Medikament

Baukräne ragen derzeit beim japanischen Pharmahersteller Takeda in Singen (Bodensee) gen Himmel. „Wir erweitern unsere Produktion“, sagt Werkleiter Jürgen Mahling. Und zwar für ein Magen-Medikament. 2015 soll der Neubau in Betrieb gehen, 100 Jobs entstehen, vom Facharbeiter bis zum Teamleiter. Künftig sollen jährlich 17 Millionen zusätzliche Dosen hergestellt werden.

Das Besondere an der Arznei ist der gefriergetrocknete Wirkstoff Pantoprazol: Er kann gespritzt werden. „So wirkt das Medikament besonders schnell“, sagt Mahling.

4. Investition für biologische Medikamente bei Roche

Der Pharmakonzern Roche investiert in den nächsten fünf Jahren über 700 Millionen Euro in seine Produktionsstandorte Mannheim und Penzberg.

Ein Grund ist die hohe Nachfrage nach biologischen Medikamenten (Biopharmazeutika). Allein im bayerischen Penzberg entstehen 200 neue Arbeitsplätze. Um die Investitionen hatten sich auch Roche-Standorte in den USA, der Schweiz und Asien beworben.

5. Geldregen auch für Deutschland bei Evonik

Rund 3 Milliarden Euro investiert der Spezialchemie-Konzern Evonik bis Ende 2014 – wohlgemerkt weltweit. Aber auch Deutschland profitiert von dem Geldregen. „Ein zweistelliger Betrag im mittleren Millionen-Euro-Bereich“, so das Unternehmen, fließe allein in Marl in eine Anlage für flüssiges Polybutadien. Den Stoff braucht man zum Beispiel für Klebstoffe im Autobau.


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