Lohnrunde 2014

Chemie-Tarifpartner kämpfen um Geld und Ausbildung


Darmstadt. Die Tarifpartner liegen im Clinch: Die erste bundesweite Verhandlungsrunde um die Tarifgehälter der rund 550.000 Beschäftigten in der Chemie-Industrie blieb in Darmstadt ohne Ergebnis. Die Gespräche werden am 4. und 5. Februar in Hannover fortgesetzt.

Im Fokus steht die Forderung der Gewerkschaft nach 5,5 Prozent mehr Lohn. Doch die Arbeitgeber treten auf die Kostenbremse: „Die Branchenkonjunktur entwickelt sich seit längerem sehr bescheiden“, so Hans-Carsten Hansen, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite. „Ein protziger Tarifabschluss von 5,5 Prozent passt einfach nicht in die Landschaft.“

Die deutlichen Worte sind Ausdruck einer angespannten Situation. Schon zum Auftakt sorgen 200 Gewerkschafter für Stimmung: Fahnen schwenkend und mit Warnwesten ausgerüstet, fordern sie vor dem Tagungshotel lautstark mehr Geld. Hinter verschlossenen Türen beginnt eine hitzige Diskussion. Schon bald lassen Zwischenrufe und Wortbeiträge die Emotionen hochkochen: „Da drin herrscht dicke Luft“, so ein Teilnehmer.

Grund dafür ist die sehr unterschiedliche Einschätzung der wirtschaftlichen Lage. „Der Chemie geht es insgesamt gut“, findet Peter Hausmann, der Verhandlungsführer der Gewerkschaft. „Die Konjunktur läuft auf hohem Niveau stabil und robust. Die Prognosen weisen nach oben.“ Da sei es doch „schlicht widersinnig“, beim Gehalt auf die Bremse zu treten. Zudem fordert er für die Beschäftigten einen größeren Anteil an den Firmengewinnen.

Die Arbeitgeber sehen das anders. Schon bei den vergangenen zwei Tarifabschlüssen hätten sich die zugrunde gelegten wirtschaftlichen Prognosen jeweils nicht bewahrheitet, kontern sie. Das vergebliche Hoffen auf einen Aufschwung gehe nun schon ins dritte Jahr. „Tariferhöhungen auf Verdacht nach dem Prinzip Hoffnung gefährden Arbeitsplätze“, stellt Hansen klar. „Da machen wir nicht mit. Denn einen Abschluss auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit können wir uns nicht leisten.“

Branche produziert weniger als 2007

Eindringlich verweist Hansen darauf, dass sich die Branchenkonjunktur schon seit mehr als zehn Quartalen nur noch seitwärts bewege. Die Produktivität, also der Output je Beschäftigtem, sei gegenüber 2011 rückläufig – und die Produktionsmenge liege „immer noch unter dem Vorkrisenniveau von 2007“. Nach stundenlangem Schlagabtausch das nüchterne Fazit: „Unter dem Strich sind wir noch keinen Schritt vorangekommen!“, sagt Hansen. Bei der wirtschaftlichen Beurteilung lägen „Welten“ zwischen den Tarifpartnern.

Trotz der Verhandlungen mit harten Bandagen steht fest: Keiner wird seine Position unverändert durchboxen können. Am Ende muss ein tragfähiger Kompromiss stehen: „Beide Tarifpartner“, so ein Insider, „sind jetzt gefordert, sich zu bewegen und aus ihrer Ecke herauszukommen.“


„Gift für die Ausbildungsbereitschaft“

Übernahmepraxis nach der Lehrzeit sorgt in den Verhandlungen für zusätzlichen Konfliktstoff

Durchblick gewinnen: Im Ausbildungszentrum lernt man die Praxis kennen. Foto: dpa
Durchblick gewinnen: Im Ausbildungszentrum lernt man die Praxis kennen. Foto: dpa

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