Produktivität

Chemie-Industrie: Die Lohnkosten steigen stärker als der Output pro Stunde

Teure Fachkraft: Jede Stunde Arbeit kostet die Betriebe deutlich mehr als 2010. Foto: Lanxess

Wiesbaden. „Wenn ich im Betrieb mehr leiste, möchte ich vom Chef auch mehr Geld dafür haben“, denkt sich mancher Mitarbeiter. Viele Fachkräfte sind im Lauf der Jahre ja auch besser im Job geworden, also produktiver. Das Problem: Für die chemische Industrie insgesamt gilt das nicht – die Entgelte aber sind gerade dort besonders kräftig gestiegen in den letzten Jahren.

Das ist ein Dilemma für viele Betriebe. Und ein zentrales Argument der Arbeitgeber in der laufenden Chemie-Tarifrunde. Lutz Mühl, Chefvolkswirt beim Bundesarbeitgeberverband Chemie in Wiesbaden, bringt es auf den Punkt: „Seit 2010 sind die Lohnkosten unserer Unternehmen um gut 15 Prozent gestiegen, die Produktivität aber ist im gleichen Zeitraum um 4 Prozent gesunken.“

Die Daten belegen mangelnde wirtschaftliche Dynamik

Basis für die Berechnung sind Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten. Sie geben ihre Zahlen zu Produktion und Beschäftigung ans Statistische Bundesamt, das liefert die Daten zur Produktivität. Dieser Wert tritt seit 2010 auf der Stelle.

Mühl: „Wenn sich da über Jahre hinweg nichts tut, leidet die Wettbewerbsfähigkeit.“ Für ihn sind die Daten „ein Zeichen für mangelnde wirtschaftliche Dynamik“ in der Branche und ein „Alarmsignal“. Warum aber kommt der drittgrößte Industriezweig Deutschlands im Inland nicht voran?

„Ursache ist das seit Jahren stagnierende Produktionsvolumen der Branche“, so der Volkswirt. Zugleich hat die Branche in den letzten fünf Jahren bundesweit rund 20.000 neue Stellen geschaffen. Zusätzliches Personal in Labor, Verwaltung, Produktion oder Vertrieb ohne höhere Produktion heißt aber mehr Arbeitszeit pro Produkt – und damit sinkende Produktivität.

Nun kann man sich fragen, weshalb Unternehmen mehr Personal an Bord haben als unbedingt nötig. „Einige Betriebe haben auf Vorrat eingestellt“, meint Mühl. „Etwa aus Vorsicht vor dem drohenden Fachkräftemangel.“ Ein weiterer Grund sind neue Geschäftsmodelle mit stärkeren Dienstleistungsanteilen, die mehr Personal benötigen.

Zudem haben sich die Wachstumshoffnungen der letzten Jahre nicht erfüllt. Das alles schlägt in der Statistik auf die Produktivität durch.


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