Langsamer Aufschwung

Chemie im Osten: Eine Branchen-Bilanz nach 25 Jahren Mauerfall

Berlin. Sie fehlt in keiner Hausapotheke: die Schmerztablette Aspirin vom Chemie- und Pharmakonzern Bayer. Hergestellt wird sie in Sachsen-Anhalt im Werk Bitterfeld. 4,5 Milliarden Stück sind es pro Jahr.

Kürzlich flossen 5 Millionen Euro in eine neue Produktionslinie. „Investition und Innovation für den Standort“, freut sich Werkleiter Christian Schleicher. Ein wichtiges Stück Aufschwung Ost, von dem vor 25 Jahren noch keiner träumte, als die DDR am Ende war.

Noch ist nicht alles „hüben wie drüben“ – aber fast. So wurden etwa die Entgeltgruppen an den Westtarif angeglichen. Heute arbeiten in den sechs ostdeutschen Bundesländern 54.300 Menschen in 360 Chemie- und Pharmabetrieben.

„Sowohl Umsätze als auch die Anzahl der Mitarbeiter konnten nach anfänglich dramatischen Rückgängen bis heute kontinuierlich gesteigert werden“, sagt Rainer G. Jahn, Vorstand vom Arbeitgeberverband Nordostchemie. Er hat den Prozess live erlebt und mitgestaltet.

Vor dem Mauerfall gab es zwar deutlich mehr Beschäftigte, aber nach der Wende brach die DDR-Wirtschaft zusammen. Zuvor planwirtschaftlich geführte Betriebe mussten von heute auf morgen mit der global aufgestellten Konkurrenz wetteifern – und hatten oft keine Chance. Zudem hatte man mit Umweltverschmutzung zu kämpfen: „Bitterfeld, Bitterfeld, wo der Dreck vom Himmel fällt …“, spotteten die Bürger.

Tatsächlich gehörte das Chemiedreieck zwischen Merseburg, Halle und Bitterfeld zu den am meisten belasteten Regionen der DDR. Doch dann wurde die marode Industrie abgewickelt, staatlich finanzierte Sanierungsmaßnahmen griffen, und hohe Umweltstandards für die sich neu ansiedelnden Industriebetriebe setzten sich durch.

Heute punktet der Standort mit einer sehr geringen, streng kontrollierten Umweltbelastung.


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