So sexy ist der Standort Deutschland

Chemie-Branche steckt viel Geld in ihre deutschen Anlagen


Ludwigshafen. Ein Riesenerfolg für die Chemie in Deutschland: Gut 1 Milliarde Euro steckt der Weltkonzern BASF in den Bau einer neuen Kunststoff-Anlage im Stammwerk Ludwigshafen. Auch andere Standorte des Unternehmens hätten den dicken Fisch gerne an Land gezogen, etwa das belgische Antwerpen. Doch das Rennen machte die Bundesrepublik – trotz steigender Energiekosten und hoherer Löhne als bei den Wettbewerbern.

Die Vorteile im europaweiten Vergleich überzeugen auch andere Investoren: So steckte die Branche im Jahr 2011 rund 6,2 Milliarden Euro bundesweit in Gebäude und Anlagen. Das waren 7,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Für das gerade abgelaufene Jahr rechnet der Verband der Chemischen Industrie mit 6,6 Milliarden, ein Anstieg um 5 Prozent. Und es geht weiter: Für 2013 wird ein Plus von 2 Prozent erwartet. Wie sich die Investitionen auswirken, wird man in Ludwigshafen Ende 2014 sehen können: Dann startet dort die Herstellung von Toluol-Diisocyanat (TDI).

Das Weichschaum-Vorprodukt steckt in Sitzpolstern, Innenverkleidungen und Matratzen. Geplant sind jährlich 300.000 Tonnen, es entstehen 200 neue Arbeitsplätze. „Der Bau an unserem größten Verbundstandort bietet uns große Vorteile“, erklärt BASF-Vorstand Wayne Smith. Das sind zum Beispiel Synergien durch benachbarte Produktionsanlagen, der günstige Zugriff auf Rohstoffe und die gute Logistik.

Das sieht man auch bei Akzo Nobel so: Die Summe von 140 Millionen Euro steckt der niederländische Chemie-Konzern in die Umrüstung einer Chlor-Produktionsanlage im Industriepark Höchst in Frankfurt. Hier baut auch das Schweizer Spezialchemie-Unternehmen Clariant gerade ein rund 100 Millionen Euro teures Entwicklungszentrum auf.

Der französische Pharma-Konzern Roche erweitert seine Diagnostika-Produktion im oberbayrischen Penzberg für rund 200 Millionen Euro, und das Leverkusener Chemie- und Pharma-Unternehmen Bayer steckt 165 Millionen in seine neue TDI-Anlage im rheinischen Dormagen.

Was macht Deutschland so attraktiv? „Das qualifizierte Personal und sehr gute Netzwerke in Forschung, Entwicklung und chemiespezifischen Dienstleistungen“, weiß Josef Packowski, Managing Partner der auf Chemie spezialisierten internationalen Unternehmensberatung Camelot Management Consultants in Mannheim.

Aus der Krise Konsequenzen gezogen

„Die Investitionen verlagern sich zunehmend von den krisengeplagten südeuropäischen Chemiemärkten Richtung Deutschland“, weiß der Experte. Das zeige eine aktuelle Umfrage unter 360 Entscheidern der Chemie-Industrie („Quo vadis Europe?“).

Die Branche profitiere zudem von den Maßnahmen, die sie in der letzten Wirtschaftskrise getroffen habe: effizientere Prozesse, flexible Auslastung und ein stärkerer Fokus auf die globalen Wachstumsmärkte.

26.000 neue Jobs durch das Engagement der Industrie

Wie die jüngste IBM-Studie „Global Location Trends“ zeigt, starteten über 600 ausländische Firmen aller Industrie-Branchen 2011 bei uns Projekte mit 26.000 neuen Jobs – 77 Prozent mehr als im Vorjahr.

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