Diese Region ist zukunftsfähig

„Chemie am Hochrhein“: Initiative will die Erfolgsgeschichte der Branche fortsetzen

Rheinfelden. 5.400 Beschäftigte, die in 30 Chemie-Unternehmen auf schweizerischer oder deutscher Seite rund 2 Milliarden Euro erwirtschaften – das ist die beeindruckende Bilanz des Standorts Chemie am Hochrhein. Doch die Bedingungen werden für den Standort immer schwieriger.

Der harte globale Wettbewerb erfordert den Abbau von Beschäftigten, Standorte stehen auf der Kippe. Um die Region zukunftsfähig zu halten, hat sich eine starke Initiative gegründet – aus Kommunen, Wirtschaftsförderern, Verbänden, Arbeitnehmervertretern, Bürgerinitiativen und Betrieben.

Rückblick: Die Wasserstraße Rhein, Schienen und Kraftwerke zogen große Industriebetriebe an, vor allem die Chemie. Unternehmen und Fachkräfte brachten der Region Wachstum und Wohlstand. Doch die fetten Jahre sind vorbei. Nun gilt es, die Region nachhaltig zu stärken und offen miteinander zu reden.

Grenzlage, Fachkräfte, Infrastruktur und attraktive Freizeit

Dabei geht es um die Grenzlage, die Infrastruktur, Fachkräfte und die Attraktivität der Region. Die Bürger wollen mehr von den Chemie-Betrieben erfahren, die Arbeitgeber wollen ihrerseits stärker darauf hinweisen, wofür sie stehen. Bei dem Prozess engagiert sich auch das Spezialchemie-Unternehmen Evonik.

Allein dort sind 1 200 Mitarbeiter beschäftigt. Im Werk entstehen Produkte für umweltfreundliche Reifen, Glasfaserkabel oder Autolacke. „Wir wünschen uns einen regelmäßigen und verständlichen Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern“, sagt Standortleiter Peter Dettelmann.

Er setzt auf gute Nachbarschaft in einer Region, die viele Vorteile bietet: „Die lange Erfahrung in der Chemie, gut ausgebildete Fachkräfte und der Rhein als saubere Energiequelle.“ Auch die internationale Lage zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz käme den Firmen und den 200.000 Einwohnern der Region zugute.

Faktoren wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien der jüngeren Generation immer wichtiger: „Deshalb unterstützen wir Familien oder die grenzüberschreitende Ausbildung“, so der Standortleiter. Auch die Umgebung des Arbeitsplatzes sei bedeutsam. Hier könne der Hochrhein punkten: „Gerade was den Freizeitwert angeht, hat die Region rund um Rheinfelden viel zu bieten“, so Dettelmann. „Unsere Mitarbeiter schätzen es sehr, im Winter schnell in den Wintersportgebieten im Schwarzwald zu sein und im Sommer im Rhein baden zu können.“ Auch das Kulturangebot rund um Basel begeistert ihn und seine Familie immer wieder.

„Wir wollen talentierte junge Leute für uns gewinnen, unsere Mitarbeiter aus- und weiterbilden und an die Region binden“, erklärt Dettelmann eindringlich. Evonik tue viel dafür: „Wir bieten nicht nur eine mehrfach ausgezeichnete Ausbildung, sondern engagieren uns auch stark an den örtlichen Schulen sowie der Dualen Hochschule Lörrach.“


Bürger haben große Erwartungen an die Branche

Gefragt: Fachkräfte wie dieser Chemikant. Foto: Sigwart
Gefragt: Fachkräfte wie dieser Chemikant. Foto: Sigwart

Grenzach-Wyhlen. Eine sichere Arbeitsstelle, mehr Ausbildungsplätze und einen stärkeren Dialog mit der Bevölkerung – das erwartet mehr als ein Drittel der Menschen am Hochrhein von der Chemie. Das ergab eine Umfrage von „Ri*Questa“ im Auftrag der Chemie-Verbände Baden-Württemberg.

Die Chemie- und Pharma-Branche gilt als wichtigster Arbeitgeber, vor der Metall-, Maschinenbau- und Automobil-Industrie. Befragt wurden über 700 repräsentativ ausgewählte Bewohner der Region.

Das Meinungsbild zur chemischen Industrie am Hochrhein ist gut: Rund 80 Prozent der Befragten sehen ihre Rolle positiv. Das ist noch mehr als der bundesweite Durchschnitt mit 70 Prozent Zustimmung.

Als „dringendste Herausforderung“ in der Region steht an erster Stelle die Verbesserung der Infrastruktur (28 Prozent), gefolgt von sicheren Arbeitsplätzen (19 Prozent), der Entwicklung der Wirtschaft (17 Prozent) sowie Umwelt- und Naturschutz (15 Prozent).

Wermutstropfen: Trotz einer sehr hohen Meinung von der Chemie hat die Jugend im bundesweiten Vergleich weniger Interesse daran, in der Branche zu arbeiten. 

Die „Macher“ der Region

Die Initiative ist startklar: Jetzt soll der regionale Dialog beginnen. Foto: IGBCE
Die Initiative ist startklar: Jetzt soll der regionale Dialog beginnen. Foto: IGBCE

Zur Initiative „Chemie am Hochrhein“ haben sich Unternehmen, Arbeitnehmer, Anwohner, Politik, Wirtschaft und Verwaltung zusammengeschlossen.

Für die Unternehmen sprechen Evonik, BASF Grenzach sowie der ­Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg.

Die Arbeitnehmer werden vertreten durch die Chemie-Gewerkschaft IG BCE Freiburg sowie die Betriebsräte der Chemie- und Pharmabetriebe am Hochrhein.

Die Politik kommt mit dem Wirtschaftsministerium, den Städten und Kommunen sowie der Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung Rheinfelden zu Wort.

Städten und Gemeinden geben der Landkreis Lörrach, die Stadtverwaltung Rheinfelden und die Gemeinde Grenzach-Wyhlen eine Stimme.

Für die Belange der Bewohner tritt die Bürgerinitiative Zukunftsforum Grenzach-Wyhlen ein.

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