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Auf gute Leute kommt es an

Chef-Umfrage: Das sind die Herausforderungen für Hessens Betriebe

Mitgemacht haben 144 Unternehmen mit 46.000 Beschäftigten. Klarer Trend der 29. Chefumfrage des Arbeitgeberverbands Hessenmetall: Lesen Sie hier, was die großen Herausforderungen der Metall- und Elektro-Industrie sind.

Beispiel Schunk: Mit einer eigenen Messe begeistert man hier junge Menschen. Foto: Werk

Beispiel Schunk: Mit einer eigenen Messe begeistert man hier junge Menschen. Foto: Werk

Beispiel Kamax: Millionen-Investition in ein neues Ausbildungszentrum. Foto: Scheffler

Beispiel Kamax: Millionen-Investition in ein neues Ausbildungszentrum. Foto: Scheffler

Beispiel Continental: Chancen für Quereinsteiger bei der Ausbildung zum Software-Experten. Foto: Werk

Beispiel Continental: Chancen für Quereinsteiger bei der Ausbildung zum Software-Experten. Foto: Werk

Frankfurt. Das Finden, Binden und Halten von Fachkräften wird für die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) immer mehr zu einer Herausforderung und damit zu einer der drängendsten Aufgaben am Standort Hessen. Das ergab die 29. Chef-Umfrage des Arbeitgeberverbands Hessenmetall unter seinen Mitgliedsunternehmen. Daran hatten sich 144 Unternehmen mit 46.000 Beschäftigten beteiligt. „Die Firmen steuern nicht mehr nur auf einen Fachkräftemangel zu, sondern sie befinden sich schon mittendrin“, betonte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert bei der Präsentation der Ergebnisse in Frankfurt. Und genau das wird immer mehr zum Problem, da sich die Arbeitswelt in der Branche durch den digitalen Strukturwandel massiv verändert. Um da mithalten zu können, benötigen die Firmen aber unbedingt die richtigen Mitarbeiter. Pollert: „Die Fachkräftesicherung ist somit eine der größten, wenn nicht sogar die größte Herausforderung für Hessens M+E-Industrie.“

Es geht um Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Wohlstand

Wie die Umfrage zeigt, finden bereits knapp 80 Prozent der Unternehmen nicht mehr genügend qualifizierte Mitarbeiter. 73,2 Prozent der Betriebe suchen Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. Zwei Drittel brauchen Spezialisten mit einem Fortbildungsabschluss wie Meister oder Techniker. 60 Prozent der Befragten suchen Akademiker. An- und Ungelernte werden deutlich weniger gebraucht und müssen daher zu Fachkräften weitergebildet werden.

Erfreulich sei, wie viel die befragten Betriebe schon tun und wie viel mehr sie sich vorgenommen haben. Sie setzen derzeit am häufigsten auf die Fortbildung ihrer Mitarbeiter (85 Prozent), eine vorausschauende Personalpolitik (81 Prozent) und neue Rekrutierungswege (75 Prozent), um dem Fachkräftemangel zu begegnen.


Duale Ausbildung bleibt der Klassiker

Die duale Ausbildung als klassisches Instrument der Nachwuchssicherung kommt bei drei von vier Unternehmen zum Einsatz. So hat der Automobilzulieferer Kamax in Homberg (Ohm) gerade ein hochmodernes Aus- und Weiterbildungszentrum eingeweiht und dafür rund 3 Millionen Euro investiert. Dort sollen Auszubildende und Mitarbeiter fit gemacht werden für die digitale Zukunft.

Der Technologie-Konzern Continental ist eng verbunden mit den großen Zukunftsthemen automatisiertes und autonomes Fahren, Elektrifizierung sowie Vernetzung von Fahrzeugen und braucht dafür jede Menge Softwareexperten. Die bildet man inzwischen passgenau selbst aus und gibt dabei gezielt Quereinsteigern eine Chance.

Und die Schunk Group in Heuchelheim lädt – um Mitarbeiter zu gewinnen – jedes Jahr Studierende zur internen Hochschulmesse campus@schunk an den Konzernstandort ein. So will man junge Menschen vor Ort über die Einstiegsmöglichkeiten und Perspektiven sowie die vielfältigen Technologien der fünf Divisionen des Technologiekonzerns besser informieren.

Gesetzesänderungen verschärfen zusätzlich die Situation

Trotz all solcher Bemühungen der Unternehmen werde der Fachkräftemangel laut Pollert derzeit durch viele Gesetzesänderungen leider eher noch verschärft. So sei es nicht zu verstehen, dass das Arbeitszeitgesetz immer noch nicht zeitgemäß weiterentwickelt worden sei oder ältere Fachkräfte durch Frühverrentungsanreize noch früher aus dem Arbeitsleben getrieben werden, obwohl ihre Erfahrungen weiterhin dringend benötigt würden. Pollert: „Es geht bei der Fachkräftesicherung um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen und damit auch um den gesellschaftlichen Wohlstand insgesamt.“

Das sagen Unternehmer zum Thema Fachkräftemangel:

Achim Kopp, Geschäftsführer KOPP Schleiftechnik in Lindenfels

Foto: Werk
Foto: Werk

„Wir haben in Deutschland ein herausragendes und international vielfach bewundertes duales Berufsbildungssystem. Mit dem Facharbeiter, dem Techniker und dem Meister haben wir Alleinstellungsmerkmale, die wir, auch wegen ihrer Karriere- und Entwicklungsperspektiven, in der Gesellschaft nachhaltig herausstellen müssen. Hierfür benötigen wir mehr Flexibilität und Praxisbezug statt bürokratischer Hemmnisse und staatlicher Reglementierung.“

Dr. Hans-Friedrich Breithaupt, geschäftsführender Gesellschafter F. W. Breithaupt & Sohn in Kassel

Foto: Werk
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„Drei Viertel der Unternehmen können ihren Bedarf an Fachkräften mit Berufsausbildung sowie den akademischen Fachkräften nicht mehr decken. Dieser Mangel betrifft die Metallberufe wie die Elektroberufe gleichermaßen. Die Fortbildung und Qualifikation der eigenen Fachkräfte ist nun erstes Mittel, um die Expertise im Unternehmen zu sichern. Hinzu kommt eine vorausschauende Personalplanung, gepaart mit neuen Wegen der Rekrutierung geeigneter Auszubildender.“

Claus Lau, Werkleiter Bosch Rexroth in Erbach

Foto: Scheffler
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„Um den digitalen Strukturwandel bewältigen zu können, benötigen die Unternehmen zukunftsweisende ordnungspolitische Rahmenbedingungen, eine qualifizierte Fachkräftezuwanderung, Investitionen in Bildung und Infrastruktur sowie eine Anpassung des Arbeitszeitgesetzes an das digitale Zeitalter.“

Tobias Selzer, geschäftsführender Gesellschafter Selzer Fertigungstechnik in Driedorf

Foto: Scheffler
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„Der Fachkräfte-Engpass ist bereits deutlich spürbar und eines der derzeitig brisantesten Themen der M+E-Industrie, aber auch darüber hinaus. Die Regierung muss künftig noch mehr in die Vielfalt und Qualität des Bildungswesens investieren, die duale Ausbildung stärken und sich endlich dem Thema qualifizierte Zuwanderung stellen.“

Wolfram Kuhn, Geschäftsführer und Gesellschafter der Herborner Pumpentechnik in Herborn

Foto: Scheffler
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„Die Politik sollte endlich ein vernünftiges Zuwanderungsgesetz beschließen, um eine qualifizierte arbeitsmarktorientierte Zuwande- rung letztlich aus allen Staaten der Welt zu ermöglichen.“

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Es wird weiter investiert in Hessens Metall- und Elektro-Industrie: Die Erwartungen für die kommenden Monate aber sind weniger optimistisch als bisher. Das ergab die 29. Chefumfrage des Arbeitgeberverbands Hessenmetall.

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