Mobilität

Car-Sharing: Raus aus der Öko-Ecke


Das Auto auf Zeit ist zum lukrativen Geschäft geworden

München. Das eigene Auto abgeben? Wer BMW Isetta fährt und seine „Knutschkugel“ über alles liebt, bringt das mit Sicherheit nicht übers Herz. Wer rechnen kann – und bloß von A nach B kommen will –, hingegen schon.

Autos nur für kurze Zeit und nach Bedarf zu mieten, ist in Deutschland so beliebt wie nie. Der Bundesverband CarSharing zählt in ganz Deutschland mittlerweile rund 190.000 Teilnehmer. Die Zahl hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt.

In der Stadt eine Alternative

Auch große Auto-Konzerne wie BMW und Daimler steigen derzeit in den Markt ein. Sie haben neue Konzepte und bieten ihren Kunden hippe Minis oder flotte Smarts.

Das zeigt: Car-Sharing wird attraktiver – und kommt endgültig raus aus der Öko-Ecke. „In der Stadt braucht man kein Auto. Wenn man den öffentlichen Verkehr nutzt, spart man Geld und Nerven“ – dieser Aussage stimmen laut einer Studie der Jugendmarketing-Agentur „tfactory“ heute drei Viertel der jungen Erwachsenen unter 40 zu. Aber auch sie benötigen Lösungen für den Wochenendausflug, den Großeinkauf oder den Abstecher zum Möbelhaus.

Laut ADAC kann es sich bei einer Fahrleistung von unter 10.000 Kilometern im Jahr lohnen, auf das eigene Auto zu verzichten und bei Bedarf auf den Mietwagen oder Car-Sharing zu setzen. Hauptgrund: die hohen Fix-Kosten des eigenen Pkws. Allein der Wertverlust eines neueren Fahrzeugs macht in den ersten Jahren rund die Hälfte aller Kosten aus. Hinzu kommen Werkstatt, Versicherung und Kfz-Steuer.

Wer nur ab und zu ein Auto braucht, fährt ohne eigenen Pkw finanziell definitiv besser. Für den Urlaub gibt es den Mietwagen – ein Golf kostet rund 200 Euro die Woche. Und für Kurzeinsätze steht in der Stadt der Car-Sharing-Anbieter ums Eck parat.

Den Markt in Deutschland dominieren drei große überregional tätige Unternehmen (siehe unten: Info). In vielen Städten gibt es weitere lokale Anbieter. Die meisten Tarife haben eine Grundgebühr und kombinieren variable Bestandteile, etwa Kosten von 5 Euro die Stunde und 15 Cent pro Kilometer. Alles – auch Benzin – ist da schon drin.

Das Verleih-Konzept ist immer gleich: An Stationen in dicht besiedelten Gegenden stehen Autos in unterschiedlichen Größen bereit, die bei Leih­ende wieder dorthin zurückgebracht werden müssen. Ein- wegfahrten sind ausgeschlossen.

Bei neuen flexibleren Konzepten, die auf Innenstädte ausgerichtet sind, sieht das anders aus. Autos können überall im Stadtgebiet von der Straße weg gemietet und dort auch wieder abgestellt werden. Feste Stationen gibt es nicht. Gezahlt wird pro Minute.

BMW und Daimler steigen ein

Mit diesem Ansatz sammelt Daimler unter der Marke „car2go“ bereits seit zwei Jahren in Ulm Erfahrungen und hat ihn jüngst auf Hamburg ausgeweitet. BMW startet gerade mit „Drive now“ in München und will bis Jahresende auch in Berlin vertreten sein.

Die Kosten für die Wagenmiete werden bei 29 Cent je Minute und rund 15 Euro je Stunde liegen. Der Weg zum nächsten Auto am Straßenrand, das zufällig im Internet oder per Smart-phone gefunden werden kann, soll maximal 500 Meter betragen.

Info: Die größten Anbieter

Mehr als die Hälfte der Car-Sharing-Teilnehmer in Deutschland ist bei einem der drei größten Anbieter registriert. Die deutsche Bahn (www.dbcarsharing.de) unterhält 130 Stationen im gesamten Bundesgebiet. Der Anbieter Cambio (www.cambio-carsharing.com) ist in zehn Städten im Norden und Westen Deutschlands vertreten. Stadtmobil (www.stadtmobil.de) hat Standorte im Südwesten der Republik sowie in Düsseldorf, Essen, Hannover und Berlin.

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