Energiesparlampen

Böse Birne?


Keiner mag Energiesparlampen. Warum nur? AKTIV hat nachgeforscht

München. Irgendwann geriet  der Baumarkt-Chef aus der Fassung. Weil Kunden ständig sein Personal belagerten, auf der Suche nach geeigneten Leuchtmitteln für ihre Wohnzimmer, Partykeller oder Küchen, griff Soheil Riahi kurzerhand zur Bohrmaschine. Der sonst eher stoische Leiter einer „Praktiker“-Filiale in der Münchner Innenstadt schraubte eigenhändig drei Dutzend Energiesparlampen an die Wand.

Seit ein paar Wochen strahlen sie zu Demo-Zwecken vor sich hin: in „Cool-White“  oder „Warmweiß“, „Softlight“ und „Extra Warmweiß“, dimmbar, mit Schnellstart. „Jetzt kann jeder selbst sehen, welche Lampe welches Licht bringt“, sagt Riahi. Trotzdem, es werde immer noch viel nachgefragt. Was er verstehen kann, angesichts der Angebotsfülle: „Ist ja auch ziemlich schwierig alles, irgendwie.“

Stichtag 1. September

Irgendwie schwierig – besser kann man es eigentlich nicht auf den Punkt bringen, dieses merkwürdige Verhältnis der Deutschen zu einem ebenso banalen wie umstrittenen Produkt. Und seit ein paar Tagen flammt der zähe Zank um die „Kompaktleuchtstofflampen“, wie sie im Fachjargon heißen, neu auf. Denn am 1. September trat nämlich die nächste Stufe des EU-Glühbirnenverbots in Kraft: Nachdem zuvor bereits Glühbirnen mit 100 und 75 Watt aus den Regalen verschwanden, bläst Brüssel jetzt auch noch der 60-Watt-Birne das Licht aus. Ein Jahr später wird Europa endgültig zur glühbirnenfreien Zone erklärt.

Der Klima-Effekt ist immens

Doch wenn jetzt die Empörungsmaschine wieder anlaufen dürfte: Die Begründung für das Aus der guten alten Glasblase mit Glühfaden ist unstrittig. Sie ist ein uneffektiver Stromfresser. Nur 5 Prozent der Energie setzt eine Glühbirne in Licht um, der Rest verpufft als Wärme.

Sparlampen brauchen 80 Prozent weniger für die gleiche Helligkeit. Und das addiert sich im ganzen Land zu einem gewaltigen Klimaschutzprogramm, wie die Deutsche Umwelthilfe vorrechnet: „Der Austausch von 60 Prozent der Glühbirnen  würde jährlich 4,5 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid vermeiden. Das entspricht dem Ausstoß von zwei Millionen Mittelklasse-Limousinen.“ So viel, wie in Berlin und Hamburg zusammen angemeldet sind.

Eigentlich müssten wir sie also alle lieben, die Energiesparlampe. Zumal eine vierköpfige Familie mit ihrer Hilfe jährlich 80 Euro Stromkosten sparen kann. Nur: Wir mögen sie trotzdem nicht. Das liegt nicht nur an dem verkorksten Image durch die Billig-Versionen, die mit ihrem kaltbläulichen Licht jedes Wohnzimmer per Schalterdruck zur Leichenhalle mutieren lassen. Sondern vor allem an der Sache mit dem Quecksilber.

Rund 5.300 Sammelstellen

Zwischen zwei und fünf Milligramm dieses giftigen Schwermetalls stecken in jeder Ökolampe. Nach ihrem Ableben wird sie daher: Sondermüll! Und das üble Bauchgefühl, sich aufgrund einer EU-Verordnung eine potenzielle Giftbombe in die Nachttischlampe schrauben zu müssen, die man auch nicht mehr wie vorher Glühbirnen einfach in die Hausmülltonne kloppen kann, lässt viele Verbraucher der alten Stromfresser-Birne hinterhertrauern.

Doch die Konsequenz daraus ist fachgerechte Entsorgung, nicht das Verteufeln der Energiesparlampe. Denn das Licht aus der Glühbirne sorgt indirekt für weit mehr Quecksilber. Grund: Der durch Glühbirnen verursachte höhere Strombedarf wird zu großen Teilen durch Kohlekraftwerke gedeckt.

Bei der Verstromung von Kohle wird naturgemäß Quecksilber freigesetzt, von dem trotz moderner Filter-Anlagen ein Teil in unser Ökosystem gelangt. Laut einer Berechnung des Freiburger Öko-Instituts gelangt dadurch mehr Schadstoff in die Umwelt, als in den Energiesparlampen überhaupt drin ist.

Und jetzt? Die Glühbirne vor dem Aussterben, die Energiesparlampe Sondermüll, die Zukunftleuchte LED noch sauteuer – was sollen wir tun? Kerzen anzünden?
Die Antwort gibt Christian Ludwig. Er ist der Chef von „Lightcycle“ in München, einer Gemeinschaftsfirma von Lampen-Herstellern. Sie organisiert mit nur zehn Mitarbeitern bundesweit die Rücknahme der kaputten Energiesparlampen. „Und zwar flächendeckend“, sagt Ludwig. 5.300 Sammelstellen hat Lightcycle eingerichtet, meist einfache Kartons in Bau- oder Drogeriemärkten.

Das letzte Wort hat der Verbraucher

Weil es Meldungen gab, wonach viele Sparlampen im Hausmüll landen würden, wurde das System zuletzt stark ausgebaut. „Der Rücklauf ist noch gering“, betont Ludwig. „Fast alles, was abgegeben wird, ist älter als sechs Jahre.“ Die Lebensdauer-Angaben auf der Packung, etwa zehn Jahre, kann er bestätigen. Die Angst vor Quecksilber im Abfall sei übrigens unbegründet: „Das haben kommunale  Restmüll-Analysen belegt.“

So hat diese Technik vielleicht doch Zukunft. Wenn der Kunde mitspielt. Und Soheil Riahi, unser iranischstämmiger Baumarkt-Boss, ist da auf alles vorbereitet. Er hat nicht nur die Demo-Energiesparlampen angeschraubt, sondern dieser Tage auch zwei große Paletten aufstellen lassen: Glühbirnen, 60 Watt. Im Sechser-Pack ...


Info: So finden Sie die richtige Sparlampe

Wer Glühlampen ersetzt, sollte nicht zur erstbesten Spar-Funzel greifen. Sondern genau ins Regal schauen – und drei Dinge bedenken:

Die Helligkeit ...
... wird in Lumen (lm) gemessen. Je höher die angegebene Lumenzahl, desto heller das Licht.

Die Farbwiedergabe ...
... wird in Kelvin (K) angegeben. Je niedriger der Wert, desto wärmer das Licht. Mit Glühlampen vergleichbar sind 2.700 Kelvin. Tageslichtweiß (über 5.000 Kelvin) ist zweckmäßig im Büro, aber ungemütlich im Wohnzimmer.

Der Einsatzort ...
... ist ebenfalls wichtig: Lampen mit Vorheizfunktion werden erst langsam richtig hell. Für Kellertreppen oder Treppenhäuser gibt es Lampen mit Schnellstart-Funktion.

 

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