Tipp der Woche

Bitte recht günstig!


Ihn konnte sich jeder leisten: Manfred Krug als Anwalt in der TV-Serie „Liebling Kreuzberg“. Foto: dpa

Was juristische Beratung kosten darf und wann es sich lohnt, das Honorar frei auszuhandeln

Recht haben ist das eine – Recht bekommen das andere. Manchmal wird da der Gang zum Anwalt unvermeidlich. Er muss aber keineswegs immer ins Geld gehen.

Viele Verbände und Vereine beraten ihre Mitglieder nämlich kostenlos. Allerdings immer nur zu Streitfragen aus dem jeweiligen Gebiet: Der Mieterverein hilft also nur in Sachen Mietrecht.

Guten Rat geben zudem die diversen Verbraucherzentralen (www.verbraucherzentrale.de), oft auch per Hotline oder E-Mail. Die genauen Kosten sollte man allerdings vorab erfragen.

Preis-Grenze für die erste Beratung

In vielen Fällen braucht man aber einen „normalen“ Anwalt. Der ist nicht so teuer, wie mancher glaubt: Für eine reine Beratung darf er laut Gesetz nicht mehr als 190 Euro (plus Mehrwertsteuer) verlangen, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart wird. Bei mehreren Beratungsterminen liegt das gesetzliche Maximum bei 250 Euro. „Diesen Betrag erstattet auch die Rechtsschutzversicherung“, erklärt Herbert P. Schons, Rechtsanwalt, Notar und Vizepräsident des Deutschen Anwaltvereins.

Soll der Jurist mehr tun, also beispielsweise Briefe schreiben, wird es schnell teurer. „Viele Mandanten scheuen sich, nach den Kosten zu fragen“, weiß Schons. Doch das ist genau falsch: Solange die Sache nicht vor Gericht geht, kann man das Honorar nämlich individuell aushandeln! „Wichtig ist, dass die Vereinbarung in Textform erfolgt – mündliche Absprachen zählen nicht.“ Als üblich gelten, je nach Standort und Ruf der Kanzlei, Stundensätze von 80 bis 250 Euro.

Ist nichts vereinbart, geht es nach dem Streitwert des Falles und einem Faktor, der zwischen 0,5 (für einfache Fälle) und 2,5 liegt. „Der Anwalt ist verpflichtet, vor Übernahme des Mandates auf die entstehenden Gebühren hinzuweisen“, betont Schons. „Je höher der Streitwert, desto höher ist auch das Honorar.“ So kostet derselbe Fall mit dem (üblichen) Faktor von 1,3 und einem Streitwert von 5.000 Euro 391,30 netto – bei einem Streitwert von 40.000 Euro sind es dagegen 1.172,60 Euro.

Honorar-Deckelung möglich

Wenn es beispielsweise um den Unterhalt oder um ein Erbe geht, sind hohe Streitwerte schnell erreicht: Entsprechend teuer wird dann der anwaltliche Einsatz.

Oft weiß man anfangs nicht so genau, wie aufwendig die Sache am Ende wird. „Bei unklaren Fällen empfehle ich, eine Deckelung des Honorars zu vereinbaren“, sagt Schons. So kann zunächst nach Stunden abgerechnet werden, ab einer gewissen Grenze dann nach Streitwert.

Geht die Sache aber vor Gericht, kann man durch die Abrechnung nach Stunden nicht mehr sparen: Dann ist die Vergütung nach dem Streitwert nämlich die Untergrenze fürs Honorar.


Info: Prozesskostenhilfe

Wer sehr wenig verdient und kein Vermögen hat, muss auf sein gutes Recht dennoch nicht verzichten: Betroffene können beim örtlichen Amtsgericht Beratungs- beziehungsweise Prozesskostenhilfe beantragen. Geregelt ist das im Beratungshilfegesetz und in der Zivilprozessordnung. Ob diese Sozialleistung gewährt wird, muss jeweils individuell ausgerechnet werden. Einen ersten Eindruck verschafft ein Online-Rechner: www.pkh-rechner.de

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang