Politik

Bitte mehr Leute vom Fach!


Dem Bundestag fehlt Erfahrung aus den Betrieben

Berlin.Wer führt Deutschland aus der Krise – an diesem Sonntag haben wir die Wahl. AKTIV gibt keine Wahlempfehlung, sondern hat einen Wunsch: Bitte mehr Leute vom Fach! Der renommierte Parteienforscher Professor Jürgen Falter (Universität Mainz): „Quer durch alle politischen Lager mangelt es im Deutschen Bundestag an Köpfen, die praktische Erfahrung aus den Betrieben mitbringen.“ Probleme besser einschätzen Das hat Folgen: „Wer tagtäglich in einem Unternehmen arbeitet, kann die konkrete Wirkung von Wirtschaftspolitik sicher besser einschätzen“, sagt Falter.

Doch leider sind von den 614 Volksvertretern weit mehr als die Hälfte, nämlich 346, schon so lange in der Politik, dass sie laut Bundeswahlleiter „Abgeordneter“ als Hauptberuf angeben. Wenn man im Bundestagshandbuch nach dem ursprünglichen Beruf sucht, stößt man insgesamt auf 74 Mechaniker, Techniker, Ingenieure, Handwerker und Unternehmer – aber allein auf 81 Lehrer. An der Schieflage wird sich wohl auch jetzt nicht viel ändern. Denn Seiteneinsteiger haben es schwer.

„Sie sind den Parteien oft zu un bequem“, erklärt Demokratie-Experte Falter. „Oft sind sie auch politisch wenig erfolgreich. Und sie können nur schwer diszipliniert werden, weil sie von der Politik nicht leben müssen.“ Außerdem drohen Praktiker den Anschluss zu verlieren, wenn sie auf Zeit aus dem Beruf aussteigen. Dabei hätten sie in den letzten Jahren vielleicht so manchen Unfug verhindert.

Beispiel Pendlerpauschale – das Parlament musste sich im Dezember 2008 vom Bundesverfassungsgericht erklären lassen, dass die Fahrt zur Arbeit zum Job gehört und kein Privatvergnügen ist. Auch den umstrittenen Gesundheitsfonds, den die Große Koalition Anfang 2009 in die gesetzliche Krankenversicherung eingebaut hat, verstehen wohl nur Berufspolitiker.

Falter glaubt: „Mehr Praktiker aus der Wirtschaft wären sicher hilfreich bei der Vermeidung allzu komplizierter Gesetze und Bürokratiemonster.“

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Schlagwörter: Politik

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