Energietechnik

Bis die letzte Naht gezogen ist


Björn Hecker baut mit auf der größten Kraftwerk-Baustelle der Welt

Osterode. Björn Hecker ist heiß auf den Winter. Dann führt den 29-jährigen Ingenieur gleich der erste Auslandsaufenthalt auf die größte Kraftwerk-Baustelle der Welt.

Im finnischen Olkiluoto entsteht zurzeit ein Kernkraftwerk der Superlative, das schon bald 1.600 Megawatt Energie produzieren wird. 3.000 Mitarbeiter aus 58 Ländern sind im Einsatz und lassen dort ein gigantisches Stahlbeton-Bauwerk entstehen.

Hecker wird verantwortlich für die Sicherheit von rund 300 Kilometer Rohrleitungen sein, die Monteure von BHR Hochdruck-Rohrleitungsbau aus Osterode dort verlegen. Er muss darauf achten, dass sie den strengen Auflagen entsprechen. Eine Mammutaufgabe: Im Durchschnitt muss auf jedem Meter Leitung ein Bogen, ein T-Stück oder eine Armatur eingebaut werden – mit perfekter Schweißnaht. Kompromisse? Ausgeschlossen!

„Wir verkaufen Know-how“

Welche Anforderungen im Kraftwerk-Bau erfüllt werden müssen, verdeutlicht ein Besuch in der Werkstatt von BHR in Osterode. Während hier Schweißautomaten ihre Bahnen ziehen, überwacht der Schweißfachingenieur Stephan Sickmann das Schmelzbad und die Einhaltung der vorgeschriebenen Parameter, die mittels EDV vollständig aufgezeichnet werden. So dokumentiert er, dass die Schweißautomaten perfekt arbeiten – wichtig für die TÜV-Abnahme.

Zusätzlich werden im firmeneigenen Werkstoff-Prüflabor Testnähte geschweißt, damit die Verbindungen später auf der Baustelle die strengen Sicherheitsauflagen erfüllen.

„Wir müssen diesen Auf-wand betreiben“, sagt Geschäftsführer Günter Rychlik. „Wir verkaufen schließlich keine Produkte, sondern besonderes  Know-how.“

Rund 40 Prozent des Geschäftes laufen in der Nukleartechnik. Überhaupt sorgt die weltweite Nachfrage nach Energie auch in der Anlagenbranche für einen Boom. „Unsere Auftragsbücher sind bis 2012 gefüllt“, berichtet Rychlik.

Jeder Auftrag hat dabei seine Besonderheiten. Spezielle Herausforderungen liegen beispielsweise vor, wenn nur im Inneren des Rohres geschweißt werden kann. BHR erledigt das mit Sondermaschinen. Rychlik: „Das können nicht viele.“ Deshalb ist es so wichtig, die Spezialisten hierfür jahrelang vorzubereiten.

Nach der Montage kommen die Prüfungen

Am finnischen Großprojekt war Björn Hecker von Beginn an beteiligt. „Klar, dass man selbst vor Ort sein will!“ Von mindestens zwei Jahren geht er aus. Denn nach der Montage ist die Arbeit noch lange nicht getan: Dann gilt es, erforderliche Dichtheits- oder Druckprüfungen durchzuführen.

Hecker: „Ich bleibe auf jeden Fall, bis die letzte Schweißnaht gezogen ist.“

Info: BHR Hochdruck-Rohrleitungsbau

Das Unternehmen rüstet weltweit Kraftwerke mit Rohrleitungssystemen und Komponenten für höchste Drücke und Temperaturen aus. Die Niederlassung in Osterode am Harz hat sich mit ihren 226 Mitarbeitern vor allem auf anspruchsvollste Schweißtechnik spezialisiert. Nicht immer geht es allein um Montagearbeiten in neuen Kraftwerken. Auch Service-Arbeiten an bestehenden Anlagen sind ein wichtiges Standbein der Firma.

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