Arzneimittel-Forschung

Bis 2018 kommen bei uns rund 80 neue Medikamente und Wirkstoffe auf den Markt

Wissenschaftler sagen Tumorerkrankungen den Kampf an: Bis 2018 kommen Medikamente gegen diverse Krebserkrankungen auf den Markt. Auch wer unter Arthritis, Schuppenflechte oder Diabetes leidet, kann auf Besserung hoffen.

Pharmaproduktion bei Merck: Eine Mitarbeiterin kontrolliert den Lacküberzug von Tabletten. Foto: dpa

Pharmaproduktion bei Merck: Eine Mitarbeiterin kontrolliert den Lacküberzug von Tabletten. Foto: dpa

Entwicklung: Suche nach neuen Wirkstoffen in einem pharmazeutischen Labor. Foto: Imago

Entwicklung: Suche nach neuen Wirkstoffen in einem pharmazeutischen Labor. Foto: Imago

Simulation: Ein Wissenschaftler testet, wie gut eine Arznei vom Körper aufgenommen werden kann. Foto: Merck

Simulation: Ein Wissenschaftler testet, wie gut eine Arznei vom Körper aufgenommen werden kann. Foto: Merck

Mannheim. Gute Perspektiven für Kranke: Millionen Patienten können auf bessere Behandlung hoffen. Ob gegen Multiple Sklerose, Arthritis oder Infektionen, Zuckerkrankheit, Schuppenflechte und nicht zuletzt Krebs – die Liste der Arznei-Neuheiten ist lang: Etwa 80 Medikamente werden bis 2018 auf den Markt kommen.

Zwei Dutzend davon bekämpfen Tumorerkrankungen, weiß Siegfried Bialojan, Pharmaexperte bei der Beratungsfirma Ernst & Young in Mannheim. „Unter den Krebsarzneien sind ein paar Top-Innovationen“, urteilt er. Wie zum Beispiel ein neues Medikament des Pharma-Konzerns Merck gegen das sogenannte Merkelzellkarzinom. Das ist ein bösartiger Hautkrebs, der Metastasen bildet und sich oft kaum besiegen lässt. Die Arznei der Darmstädter mobilisiert das Immunsystem gegen den Tumor, Attacken der Abwehrzellen verkleinern oder beseitigen ihn dann bei vielen Patienten.

Auch die Konzerne AbbVie, Novartis, Pfizer, Roche sowie Takeda, die alle Standorte in Deutschland haben, warten mit Krebsarzneien auf. Gegen Leukämie, Brust-, Lungen-, Blasen- und Darmkrebs gibt es Neuheiten.

Den 500.000 Menschen, die allein hierzulande jährlich an Krebs erkranken, bringt das bessere Heilungschancen. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten weitere Krebsmittel folgen. So testeten die 44 Pharma-Unternehmen, die dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller in Berlin angehören, Ende letzten Jahres Wirkstoffe in über 300 Projekten. Insgesamt steckten sie rund 5,4 Milliarden Euro in die Entwicklung von Medikamenten am Standort D – 15 Millionen Euro am Tag!

15.000 Wissenschaftler und Laboranten tüfteln bei uns an Neuheiten. Immer öfter setzen die Forscher dabei auf biotechnisch hergestellte Antikörper. Die ähneln denen der menschlichen Immunabwehr, erklärt Experte Bialojan. „So kann man Krebszellen attackieren oder auch körpereigene Stoffe, die zum Beispiel Multiple Sklerose auslösen.“

Bei dieser Krankheit greift das Immunsystem Nervenfasern an. Ein Präparat des Pharma-Konzerns Roche helfe nun erstmals Menschen „mit der stetig fortschreitenden Form“, sagt Pharmaprofessor Theo Dingermann (Uni Frankfurt): „Dafür gab es bisher kaum eine Behandlung.“

Ein weiteres Highlight ist für ihn ein künstlicher Antikörper des Konzerns MSD Sharp & Dohme: „Er verbessert die Behandlung schwerer Darminfektionen, indem er das Gift der Bakterien neutralisiert, das die Darmwand schädigt.“ Dadurch wirken Antibiotika besser, und es gibt weniger Rückfälle.

Zwei Millionen leiden an Schuppenflechte

Gegen Schuppenflechte richten sich Arzneien der Konzerne Eli Lilly und AstraZeneca. Etwa zwei Millionen Menschen leiden unter der extremen Schuppenbildung und den Hautentzündungen, viele fühlen sich entstellt. Für sie eine gute Nachricht: Die neuen Präparate sollen das Aussehen der Haut bei den meisten Patienten zu 80 bis 90 Prozent normalisieren.


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aktualisiert am 04.01.2017

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