Unternehmen

Beweglich muss man sein!


Launische Märkte, alternde Belegschaft: Die Chemie braucht Flexibilität

Moderner Fußball setzt auf schnelles Umschalten: Angriff, Abwehr, präzise Pässe, jeder Mitspieler reagiert sofort. Bei unseren Betrieben ist das nicht anders: Wenn sie ihre Zukunft und die ihrer Mitarbeiter sichern wollen, müssen sie beweglicher sein als in der Vergangenheit. Dazu zwingen sie

  • neue Konkurrenten in aller Welt,
  • die Alterung der Gesellschaft und damit der Belegschaften und
  • ein stärker schwankendes wirtschaftliches Umfeld.

„Wir haben heute Märkte, die minütlich auf Informationen reagieren“, sagt Professor Roland Döhrn, Konjunkturexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, im Gespräch mit AKTIV. Etwa die Rohstoffmärkte: „Da werden die Täler tiefer, die Berge höher, die Ausschläge deutlich größer.“

Schon in der jüngeren Vergangenheit ging es mit der Wirtschaft ungewöhnlich heftig auf und ab (siehe Grafik). Nach der Erholung 2010 und 2011 werde das kommende Jahr gesamtwirtschaftlich „eher schwach“, prophezeit Döhrn: „Zwar deutet im Moment nichts zwangsläufig auf einen starken Einbruch hin – aber das Risiko, dass es doch dazu kommt, ist relativ hoch.“ Zur Unsicherheit über den mittelfristigen Trend kämen die „immensen Schwankungen“ bei den Beschaffungskosten. „Sich gegen diese Risiken abzusichern, durch Kauf spezieller Produkte am Finanzmarkt, ist für die Unternehmen zunehmend überlebenswichtig.“

Produzieren, was der Kunde haben will

Deshalb arbeiten beispielsweise beim Spezialchemie-Konzern Umicore in Hanau Experten, die die kurzfristigen Marktschwankungen intensiv in den Blick nehmen. Wie Stephan Henkel: „Wir müssen immer schneller reagieren“, berichtet der Manager. Längst geht es nicht mehr darum, so viel wie möglich zu produzieren. Sondern möglichst genau das, was der Kunde haben will. „Produzierende Unternehmen müssen flexibel sein“, betont Henkel. „Wo ist der Markt heute, wo geht er hin? Das fragen wir uns jeden Tag.“

Doch Flexibilität ist nichts, was man von oben verordnen kann – da muss die ganze Mannschaft eingebunden sein. Um es noch einmal mit Fußball auszudrücken, in der Philosophie von Bundestrainer Joachim Löw: Der Spieler von morgen muss noch mehr taktische Variabilität, noch mehr individuelle Flexibilität als Credo verinnerlichen. In der Sprache der Chemie klingt das so: „Wir informieren unsere Belegschaft täglich über die Auftragslage“,  berichtet Umicore-Personalchef Bernd Müller.

Die Verteilung der Arbeit organisieren die Mitarbeiter weitgehend selbst, Auftragsspitzen federn sie mit Sonderschichten ab. Müller: „Unser qualifiziertes Personal kann bei Bedarf verschiedene Maschinen be­dienen.“

„Jeder Einzelne muss sich dem Wandel stellen“

Axel Heitmann, Chef des Spezialchemie-Konzerns Lanxess in Leverkusen, bestätigt: „Wir beobachten die aktuelle Nachfragesituation sehr sorgfältig.“ Für die Branche kommt es entscheidend darauf an, ­jederzeit in hohem Maß flexibel zu reagieren.

Und Jürgen Sauerwald, Personalleiter beim Pharma- und Medizintechnik-Hersteller B. Braun Melsungen in Melsungen (am Standort 5.600 Mitarbeiter), bekräftigt: „Jeder Einzelne muss sich dem Wandel stellen und bereit zu Veränderungen sein, auch im Alter.“

Ein Beispiel ist Monika Juhlke (61). Seit 25 Jahren arbeitet sie im Vollschicht-Betrieb, prüft, wickelt und verpackt Katheter. „Die Arbeit macht Spaß und hält mich fit“, sagt sie. Neue Anforderungen nimmt sie locker: „Dafür gibt es ja Schulungen.“ Aktivität gehört für sie zum erfüllten Leben. „Ich töpfere und genieße die Natur.“

Frau Juhlke will bis 65 arbeiten. Dabei hilft das Firmenmodell „Teilzeit 60 plus“ auf Basis des 2008 vereinbarten Demografie-Tarifvertrags: Man arbeitet bis zu vier Jahre vor Renteneintritt nur 50 Prozent. Gehaltseinbußen werden abgefedert. „Wir entlasten so die Mit­arbeiter im Alter, halten aber 100 Prozent ihres Erfahrungswissens im Betrieb“, so der Personalchef. Sein Ziel: „Unsere Leute in jeder Lebensphase leistungsfähig und leistungsbereit halten.“

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