Vorsorge

Betriebsrente in Gefahr


Plan der EU kann die Unternehmen Milliarden kosten

Brüssel/Berlin. Zwei von drei Arbeitnehmern sorgen zusätzlich fürs Alter vor, über eine betriebliche Rentenversicherung. Das sind 17,5 Millionen, so viele wie nie. Alarmiert durch Meldungen von klammen Rentenkassen in der Zukunft setzen immer mehr Beschäftigte auf diese Karte.

Allein bei den traditionsreichen Pensionskassen hat sich die Zahl der Versicherten seit 2002 fast verdoppelt. Doch mit diesem Boom kann es bald vorbei sein. Ein Plan der EU-Kommission gefährdet das System.

Klaus Stiefermann spricht bereits von einem „Desaster für die Betriebsrente“. Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung warnt: „So weit darf es nicht kommen.“

Dabei will die EU die Rentenansprüche eigentlich stärker absichern. Nach dem Schock durch die Finanzkrise im Jahr 2009 beschlossen die Brüsseler Bürokraten, die betriebliche Vorsorge den gleichen strengen Regeln zu unterwerfen, an die sich auch die Versicherungen künftig halten müssen. Von 2013 an sollen sie alle ihr Eigenkapital massiv aufstocken.

Für viele Firmen zu teuer

Die Folge: Auf die Betriebe, die häufig die Beitragszahlungen der Mitarbeiter unterstützen, kämen zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe zu. Stiefermann: „Eine Pensionskasse, die Renten-Anwartschaften von 10 Milliarden Euro garantiert, müsste ihre Eigenmittel um 3,6 Milliarden Euro erhöhen.“ Die damit verbundenen höheren Aufwendungen wären für viele Firmen „nicht mehr bezahlbar“.

Laut Stiefermann ist die Aufstockung absolut unnötig. Im Gegensatz zu den Versicherungen streben die klassischen Pensionskassen nicht nach Gewinn: „Die Betriebsrente ist kein Finanzprodukt.“ Sie kann nicht pleitegehen, im Gegensatz zu den Pensionsfonds in anderen europäischen Ländern.

Bestehende Verträge gelten weiter

In Deutschland sichern Arbeitgeberhaftung sowie Insolvenzschutz die Vorsorge ab. Das ist umso wichtiger, weil die Lücke bei der gesetzlichen Rente größer wird.

Wer jetzt in den Ruhestand geht, bekommt nach 45 Beitragsjahren im Durchschnitt noch 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens als Rente ausgezahlt. Im Jahr 2030 werden es nur noch ungefähr 50 Prozent sein, so Berechnungen vom Verband der Deutschen Rentenversicherer. Viele werden nur dank der Betriebsrente ihren Lebensstandard halten können.

Durch die Pläne der EU wird das nicht leichter. Zwar gelten bisher abgeschlossene Verträge und Zusagen weiter. „Aber die Zuwächse auf das Ersparte fallen deutlich niedriger aus“, so Vorsorge-Experte Stiefermann.

Und Berufsanfänger dürften es in Zukunft viel schwerer haben, sich für das Alter abzusichern. Es sei denn, Deutschland kann die EU-Kommission doch noch von ihrem Vorhaben abbringen.

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