Alternde Belegschaft

Betriebe packen jetzt die Alters-Analyse an


Sozialpartner geben Startschuss für Demografie-Tarifvertrag

Schon bald geht es los. Vom Frühjahr an haben rund 1.900 Unternehmen ein ge­meinsames Ziel: Sie wollen sich  fit  machen  für  die  älter werdenden Belegschaften. Mit einer Analyse fängt es an – wie in den Labors der Branche. Doch diesmal geht es nicht um Substanzen oder Gemische, sondern um die Belegschaften: Wie alt sind sie im Schnitt? Wann scheiden starke Jahrgänge aus? Wo droht dem Betrieb Fachkräfte-Mangel?

„Erfolgsformel“ für alternde Belegschaften

„Demografie-Analyse“ nennen Experten das. Der neue Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ schreibt den Check als ersten Schritt vor, damit sich die Firmen besser auf die alternden Belegschaften vorbereiten können.

Den Startschuss gab jetzt eine Fachtagung von Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Gewerkschaft IG BCE in Berlin. Gekommen wa­ren die Spitzen der Sozialpartner, 250 Personalchefs, Be­triebsräte, Verbandsexperten und Gewerkschafter.

Von „historischem Tarifabschluss“ war dort die Rede (IG-BCE-Vize Ulrich Freese), von „Erfolgsformel“ (BAVC-Präsident Eggert Voscherau) und von „Vorreiterrolle“ (IG-BCE-Tarifvorstand Werner Bi­schoff). Das dickste Lob erteilte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz der Branche: „Sie tun das Richtige. Ihr Beispiel sollte Schule machen!“

 

Denn das Problem haben alle Betriebe, nicht nur die in der Chemie: Die Belegschaften werden älter, der Nachwuchs wird rar und die Rente gibt es in Zukunft erst mit 67. Doch wer länger arbeiten soll, muss das auch können. Und zwar fachlich wie körperlich.

Die Chemie will diese He­rausforderung mit ihrem neuen Tarifvertrag in den Griff be­kommen. Er soll Unternehmen und Betrieben den Spagat er­möglichen, Mitarbeiter möglichst lange fit und im Job zu halten sowie ihnen zu­gleich einen flexiblen Weg in den Ruhestand zu eröffnen, sofern nö­tig und gewünscht.

Der Vertrag gibt dafür Rahmenbedingungen und einen „Werkzeug-Kasten“ mit Instrumenten vor. Um die Umsetzung zu erleichtern, haben Experten von Arbeitgebern und Gewerkschaft jetzt eine 120-seitige Broschüre verfasst. Sie erläutert jeden Paragrafen des Tarifvertrags. Zusätzliche Infos, Tipps und Internet-Adressen bietet eine CD.

Und eine Software hilft bei der Altersstruktur-Analyse: „In­stallieren, Daten einspielen und loslegen“, schildert Dirk Meyer, Demografie-Experte beim BAVC. „Damit kann man die Altersverteilung der Mitarbeiter ermitteln. Und wer will, kann sie in die Zukunft fortschreiben, ihre Entwicklung bei Abgängen und Neu-Einstellungen durchspielen sowie sich die Situation in einzelnen Betrieben oder bei Mitarbeiter-Gruppen anschauen.“ Sowie da­raus seine Schlussfolgerungen ziehen.

Grundlage für eine passgenaue Lösung

„Die Analyse ist wichtig“, sagt Meyer. „Sie bietet eine gute Grundlage, insbesondere für die Entscheidung von Arbeitgeber und Betriebsrat, wie sie den von 2010 an zu zahlenden De­mografie-Beitrag verwenden wol­len.“ Pro Mitarbeiter und Jahr zahlt der Arbeitgeber dazu 300 Euro. Die passgenaue Lö­sung müssen die Be­triebs­par­teien selbst erarbeiten. Meyer: „Je­der Betrieb ist anders.“

Gut: Für die Entscheidung haben die Firmen noch Zeit. Sie muss bis Ende 2009 stehen.

Hans Joachim Wolter

 

Info: Tarifvertrag greift Schritt für Schritt

Ab Anfang 2009. Die Unternehmen nehmen die Altersstruktur ihrer Belegschaft unter die Lupe („Demografie-Analyse“) und beschließen Maßnahmen.

Bis September 2009. Die „Demografie-Analyse“ sollte fertig sein, raten Experten.

Bis Ende 2009. Geschäftsleitung und Betriebsrat entschei­den, wofür sie den Demografie-Beitrag (300 Euro pro Tarifmitarbeiter und Jahr) verwenden. In Frage kommen ein Langzeitkonto, die Altersteilzeit, die Teilrente, die Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung und die Tarifliche Altersvorsorge.

Ab Januar 2010. Der Arbeitgeber richtet für den Demo­grafie-Beitrag einen Fonds ein.

Sozialpartner geben Startschuss für Demografie-Tarifvertrag

Schon bald geht es los. Vom Frühjahr an haben rund 1.900 Unternehmen ein ge­meinsames Ziel: Sie wollen sich  fit  machen  für  die  älter werdenden Belegschaften. Mit einer Analyse fängt es an – wie in den Labors der Branche. Doch diesmal geht es nicht um Substanzen oder Gemische, sondern um die Belegschaften: Wie alt sind sie im Schnitt? Wann scheiden starke Jahrgänge aus? Wo droht dem Betrieb Fachkräfte-Mangel?

„Erfolgsformel“ für alternde Belegschaften

„Demografie-Analyse“ nennen Experten das. Der neue Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ schreibt den Check als ersten Schritt vor, damit sich die Firmen besser auf die alternden Belegschaften vorbereiten können.

Den Startschuss gab jetzt eine Fachtagung von Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Gewerkschaft IG BCE in Berlin. Gekommen wa­ren die Spitzen der Sozialpartner, 250 Personalchefs, Be­triebsräte, Verbandsexperten und Gewerkschafter.

Von „historischem Tarifabschluss“ war dort die Rede (IG-BCE-Vize Ulrich Freese), von „Erfolgsformel“ (BAVC-Präsident Eggert Voscherau) und von „Vorreiterrolle“ (IG-BCE-Tarifvorstand Werner Bi­schoff). Das dickste Lob erteilte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz der Branche: „Sie tun das Richtige. Ihr Beispiel sollte Schule machen!“

 

Denn das Problem haben alle Betriebe, nicht nur die in der Chemie: Die Belegschaften werden älter, der Nachwuchs wird rar und die Rente gibt es in Zukunft erst mit 67. Doch wer länger arbeiten soll, muss das auch können. Und zwar fachlich wie körperlich.

Die Chemie will diese He­rausforderung mit ihrem neuen Tarifvertrag in den Griff be­kommen. Er soll Unternehmen und Betrieben den Spagat er­möglichen, Mitarbeiter möglichst lange fit und im Job zu halten sowie ihnen zu­gleich einen flexiblen Weg in den Ruhestand zu eröffnen, sofern nö­tig und gewünscht.

Der Vertrag gibt dafür Rahmenbedingungen und einen „Werkzeug-Kasten“ mit Instrumenten vor. Um die Umsetzung zu erleichtern, haben Experten von Arbeitgebern und Gewerkschaft jetzt eine 120-seitige Broschüre verfasst. Sie erläutert jeden Paragrafen des Tarifvertrags. Zusätzliche Infos, Tipps und Internet-Adressen bietet eine CD.

Und eine Software hilft bei der Altersstruktur-Analyse: „In­stallieren, Daten einspielen und loslegen“, schildert Dirk Meyer, Demografie-Experte beim BAVC. „Damit kann man die Altersverteilung der Mitarbeiter ermitteln. Und wer will, kann sie in die Zukunft fortschreiben, ihre Entwicklung bei Abgängen und Neu-Einstellungen durchspielen sowie sich die Situation in einzelnen Betrieben oder bei Mitarbeiter-Gruppen anschauen.“ Sowie da­raus seine Schlussfolgerungen ziehen.

Grundlage für eine passgenaue Lösung

„Die Analyse ist wichtig“, sagt Meyer. „Sie bietet eine gute Grundlage, insbesondere für die Entscheidung von Arbeitgeber und Betriebsrat, wie sie den von 2010 an zu zahlenden De­mografie-Beitrag verwenden wol­len.“ Pro Mitarbeiter und Jahr zahlt der Arbeitgeber dazu 300 Euro. Die passgenaue Lö­sung müssen die Be­triebs­par­teien selbst erarbeiten. Meyer: „Je­der Betrieb ist anders.“

Gut: Für die Entscheidung haben die Firmen noch Zeit. Sie muss bis Ende 2009 stehen.

Hans Joachim Wolter

 

Info: Tarifvertrag greift Schritt für Schritt

Ab Anfang 2009. Die Unternehmen nehmen die Altersstruktur ihrer Belegschaft unter die Lupe („Demografie-Analyse“) und beschließen Maßnahmen.

Bis September 2009. Die „Demografie-Analyse“ sollte fertig sein, raten Experten.

Bis Ende 2009. Geschäftsleitung und Betriebsrat entschei­den, wofür sie den Demografie-Beitrag (300 Euro pro Tarifmitarbeiter und Jahr) verwenden. In Frage kommen ein Langzeitkonto, die Altersteilzeit, die Teilrente, die Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung und die Tarifliche Altersvorsorge.

Ab Januar 2010. Der Arbeitgeber richtet für den Demo­grafie-Beitrag einen Fonds ein.

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