Prognosen

Bessere Aussichten?


Die Furcht vor dem Kahlschlag am Arbeitsmarkt lässt nach

Nürnberg. Das dicke Ende steht uns noch bevor – mit dieser Enthüllung kam im September 2009, kurz vor der Bundestagswahl, das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ daher. Dessen Deutschland-Korrespondent wusste Verschwörerisches zu berichten: „Hinter vorgehaltener Hand sagen Geschäftsleute, dass sie die Entlassungen bloß ein bisschen hinauszögern – damit die Linke nicht so viele Stimmen kriegt.“

Die Story klang gut. Doch inzwischen ist klar: Sie war eine Ente.

Kontrast zu Amerika

Dass die deutsche Wirtschaft um jeden Arbeitsplatz kämpft, wie sie seit Ausbruch der Krise stets beteuerte – das hat sich bewahrheitet. „Die Arbeitslosigkeit ist lediglich im jahreszeitlich üblichen Umfang gestiegen“, zieht Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, die Bilanz der vergangenen Monate.

Ende März waren bundesweit 3,57 Millionen Arbeitslose registriert. Das waren 221.000 mehr als zum Zeitpunkt der Bundestagswahl. Aber saisonbereinigt, also wenn man den vor allem in den Außenberufen wichtigen Sommer-Winter-Effekt herausrechnet, ergibt sich sogar ein Rückgang um 74.000.

Und seit September 2008, als die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers die Weltwirtschaftskrise auslöste, sind saisonbereinigt 194.000 Arbeitslose dazugekommen. Zum Vergleich: In den USA waren es 5,3 Millionen.

Auch im Jahresdurchschnitt 2010 wird die Zahl der Jobsucher bei uns kaum höher liegen als aktuell. So jedenfalls lautet die „Konsens-Prognose“, die die Londoner Firma Consensus Economics regelmäßig bei deutschen Banken und Wirtschaftsforschungsinstituten abfragt. Von Mai bis Juli letzten Jahres rechnete man für 2010 noch mit 4,3 Millionen (siehe Grafik).

Noch klafft eine Lücke

Die Furcht lässt nach – aber abhaken dürfen wir die Krise nicht. Zwischen der Belegschaftsstärke und der Auftragsmenge klafft noch vielerorts eine Lücke – wie man sich für die größte Industrie Metall und Elektro ganz gut auf der Website me-cockpit.me-arbeitgeber.de veranschaulichen kann. Für 2011 rechnen die Experten mit mehr Arbeitslosen. Aber wer weiß. Vielleicht läuft es ja auch dann besser als gedacht.

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