Wettbewerb

Besser wird man nicht umsonst


Die Globalisierung zwingt zu immer neuen Investitionen

Mühldorf am Inn. Plötzlich sitzt da ein neuer Wettbewerber mit am Tisch, der auch ein dickes Stück vom Umsatzkuchen haben will... Diese Erfahrung haben schon viele deutsche Industriebetriebe gemacht. Doch sie wehren sich erfolgreich gegen die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland.

Der oberbayerische Steckverbinder-Spezialist ODU hat dafür ein Rezept: „Globalisierung sehen wir nicht nur als Bedrohung, sondern als Chance“, sagt Geschäftsführer Kurt Woelfl. ODU besinne sich auf seine Stärken – nutze aber gleichzeitig die neu entstandenen Märkte in aller Welt.

Die Doppelstrategie ist freilich nicht umsonst zu haben: Investieren heißt die Parole – in Mühldorf am Inn, aber zum Beispiel auch in Asien.

Längst ist die Elektro-Industrie eine der am stärksten globalisierten Branchen überhaupt, so der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI). In den letzten 20 Jahren haben sich die Elektro-Importe nach Deutschland verdreifacht!

Der Löwenanteil kommt heute aus China: Von dort erreichen jetzt 40-mal mehr Elektro-Erzeugnisse unser Land als noch 1992.

„Anfangs waren es preiswerte, einfache Produkte“, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann. „Mittlerweile stammen fast zwei Drittel der Einfuhren aus China aus den Hightech-Segmenten der Informations- und Kommunikationstechnik sowie der elektronischen Bauelemente.“

ODU-Geschäftsführer Joachim Belz erinnert sich: „Mitte der 90er-Jahre hat sich der Markt komplett gedreht.“ Mit Macht stießen die Asiaten vor – auch ins ODU-Geschäftsfeld Verbindungstechnik. „Sie brachten in großem Stil Steckverbinder auf den Markt“, sagt Belz, „die waren billig, hielten aber nicht mit der Qualität ,Made in Germany‘ mit.“ Doch das hat sich inzwischen geändert.

Abschied von der Massenware

„Technisch haben diese Länder deutlich aufgeholt: Heute sind sie mit höherwertigen Produkten konkurrenzfähig“, unterstreicht Michael Böhmer, Globalisierungsexperte der Beratungsgesellschaft Prognos. „Den Wettbewerb über den Preis werden die deutschen Unternehmen natürlich nicht gewinnen – viel wichtiger ist, dass sie nicht aufs Spiel setzen, was sie am besten können, nämlich innovativ zu sein.“

Auch ODU reagierte schnell und verabschiedete sich um die Jahrtausendwende von Massenprodukten wie Steckern für Handy-Ladegeräte. Die Firma brachte eine neue Serie für die Medizintechnik heraus: Das verlorene Geschäft konnte so bald kompensiert werden.

Heute gehören die Bayern zu den führenden Anbietern für Steckverbinder in Diagnose- und Überwachungsgeräten sowie in der Chirurgie. „Das sind hochspezialisierte Produkte“, betont Belz, „hier zeichnen wir uns durch Alleinstellungsmerkmale aus.“

Solche Umstellungen bezahlt man natürlich nicht aus der Portokasse. Und ODU investiert weiter. Über 30 Millionen Euro allein in den vergangenen fünf Jahren am Standort Mühldorf, wo rund 600 Menschen beschäftigt sind. Das Geld floss in neue Anlagen und weitere Büros etwa für die Entwickler. Auch ein Reinraum wurde gebaut: Hochwertige Steckverbindungen werden hier mit Gießharz vergossen, um die Teile zu isolieren und wasserdicht zu machen.

Doch die Firma hat nicht nur den heimischen Standort gestärkt. Tochterunternehmen und Vertriebsgesellschaften auf drei Kontinenten sind ODUs Antwort auf die globalisierte Welt. Ein Beispiel: das eigene Werk im chinesischen Schanghai (200 Mitarbeiter), das kürzlich sein zehnjähriges Bestehen feierte. Dort werden eigens für den asiatischen Markt entwickelte Produkte gefertigt, zum Beispiel für die Energietechnik oder LED-Beleuchtungen.

Neue Kontakte im Ausland

Auch weiterhin beobachtet die Firma mit Argusaugen, was sich im Ausland tut. Beide Geschäftsführer reisen viel: Nach Korea, Indien, Russland, Südamerika. Rechtzeitig präsent sein und Kontakte knüpfen, das zählt für sie: „So werden wir nicht überrascht“ – falls sich wieder ein neuer, hungriger Wettbewerber an den Tisch setzt...

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