Beschäftigung

Besser als erwartet


Hessische Chemie schafft Jobs und erreicht Azubi-Rekord

Frankfurt. Wer volle Auftragsbücher hat, kann Personal einstellen. Wie die hessische Chemie: Laut aktueller Umfrage sind die Anlagen der Chemie- und Pharmaunternehmen zu 90 Prozent ausgelastet, die Produktion wird bis Jahresende um 4 Prozent zulegen. Erwartet hatten die Chemiearbeitgeber nur 2 Prozent. Binnen zwölf Monaten stieg die Zahl der Mitarbeiter um 1 Prozent auf etwa 92.000.

„Klassische Chemie“ erweist sich als Zugpferd

An der Umfrage beteiligten sich 61 Unternehmen mit 68.000 Beschäftigten. Ihren Angaben nach stieg die Produktion in den letzten sechs Monaten um 6 Prozent, der Umsatz um 8 Prozent. Die Chemiebranche ist daher mit „deutlich mehr Schwung aus der Krise gestartet, als erwartet“, berichtet Karl-Hans Caprano, der Vorstandsvorsitzende des Arbeitgeberverbandes HessenChemie. Die konjunkturelle Lage bewerten die Unternehmer mit „befriedigend bis gut“. Nur 17 Prozent sind mit ihrem Ergebnis unzufrieden.

Doch die Gesamtsituation verdient eine differenzierte Betrachtung. Treiber der po­sitiven Entwicklung ist die „klassische Chemie“: Der Produktionszuwachs lag zwar nur bei 3,8 Prozent. Höhere Preise ließen den Umsatz jedoch um gut ein Zehntel wachsen.

Sorgen hat jedoch die hessische Pharma-Industrie. Obwohl die Nachfrage nach Arzneimitteln hoch ist und die Produktion im ersten Halbjahr um 8 Prozent stieg, fielen die Preise um 1,3 Prozent unter Vorjahresniveau. Grund ist die Gesundheitsreform: Durch Zwangsabschläge büßten die Hersteller allein im ersten Halbjahr 1,1 Milliarden Euro ein, erklärt Bernd Reckmann, Chef des Landesverbandes der Chemischen Industrie Hessen.

Zudem besteht für die Firmen bis 2013 ein Verbot, ihre Preise zu erhöhen. Mit Blick auf die Krankenkassen-Gewinne (1,3 Milliarden Euro) sieht der Pharma-Experte keinen „wirtschaftlichen Notstand“, der einen „derartigen Eingriff“ rechtfertigt.

Übernahmequote höher als 90 Prozent

Absolute Spitze sind dagegen die Aussichten für Azubis: Mit 1.526 Ausbildungsplätzen werden jetzt 150 mehr angeboten, als im Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ vereinbart (siehe Grafik). So viele Plätze gab es noch nie innerhalb eines Jahres – Rekord! Die Übernahmequote liegt bei über 90 Prozent.

Insgesamt sind die Chemie-Verbände für 2011 optimistisch – trotz der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und steigender Preise für Energie und Rohstoffe. Vorausgesetzt, die Regierung sorgt für eine „zukunftsfähige Energieversorgung“, eine „innovationsfreundliche Gesundheitspolitik“ und eine „Investition in die Bildung“.

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