Teilzeit-Ausbildung

Besondere Chance für junge Mütter


Grünes Licht für die berufliche Zukunft: Laura Mentrup hat zwei kleine Kinder – und jetzt die Ausbildung per 30-Stunden-Woche geschafft. Die Lehrzeit wurde deshalb nicht etwa länger. Foto: Straßmeier

Die Lehre in einer 30-Stunden-Woche machen? Doch, das geht!

Münster/Flensburg. Gegen den Fachkräftemangel wird an vielen Fronten gekämpft. Eine wird kaum beachtet – weil die absoluten Zahlen noch klein sind: Es geht um junge Mütter. „Wenn junge Frauen bereits ein eigenes Kind zu betreuen haben“, heißt es beim Bundesinstitut für Berufsbildung, „steigt ihr Risiko, ohne Ausbildung zu bleiben, rapide an.“ Oft genug, weil die Betroffenen kaum eine Wahl haben. Doch das ändert sich!

Bundesweit gibt es schätzungsweise schon 200 Projekte, die zu einer Teilzeit-Ausbildung verhelfen. In Firmen wie dem Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen Agravis Raiffeisen (5.200 Beschäftigte): Am Standort Münster bekam Laura Mentrup 2009 als Erste die Chance, die Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau per 30-Stunden-Woche zu absolvieren. Die zweifache Mutter schaffte das – und war sogar so gut, dass die Ausbildungszeit verkürzt wurde! Seit der Übernahme kümmert sich Mentrup um den Export von Futtermittel-Spezialprodukten.

Dass die Turbo-Lehre ein Kraftakt war, verhehlt die heute 29-Jährige mit rumänischen Wurzeln nicht: „Erhebliche Unterstützung im privaten Umfeld war nötig. Und es hat viel mit Organisationstalent zu tun.“

„Älter, reifer und hoch motiviert“

Das scheinen auch die zwei jungen Mütter mitzubringen, die bei Agravis Münster aktuell in Teilzeit ausgebildet werden. Personalerin Bettina Auer, die sich um die über 30 kaufmännischen Azubis am Standort kümmert, ist jedenfalls sehr zufrieden: „Unsere Teilzeit-Azubis haben es zum Beispiel bei internen Seminaren immer geschafft, auch mal den ganzen Tag da zu sein.“ Im Sommer werde wohl wieder eine junge Mutter die besondere Chance bekommen.

Dass und wie die Sache funktioniert, ist erst seit 2008 festgeschrieben (Informationen dazu finden sich zum Beispiel unter www.jobstarter.de/de/1969.php, www.ntba.reinit.net und www.geba-muenster.de). Eine Teilzeitlehre kann auch eine Notlösung sein, wenn eine Auszubildende schwanger wird.

Bisher sind Turbo-Lehrlinge vor allem in Büroberufen anzutreffen. Dass es auch anders geht, zeigt etwa die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (450 Mitarbeiter): 2010 haben dort zwei junge Mütter eine kaufmännische Teilzeit-Ausbildung begonnen, im Sommer soll ihnen die erste Mechatronikerin folgen!

„Denn unsere Erfahrungen waren toll“, sagt Personalleiter Michael Jahn, „die Teilzeit-Auszubildenden sind älter, reifer – und hoch motiviert, weil sie sich ihrer Chance bewusst sind.“

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