Themen-Special: Tarifrunde 2018

Beruf und Familie vereinbaren: Das sind die gesetzlichen und tariflichen Extras

Teilzeit, Elternzeit, Pflege, Weiterbildung, Altersteilzeit: Worauf Arbeitnehmer in Deutschland in bestimmten persönlichen Lebenslagen bauen können, wird hier ausführlich erklärt.

Sich bilden, sich kümmern, sich öfter mal rausziehen: Alles ist möglich. Fotos: iStock (2), Fotolia

Sich bilden, sich kümmern, sich öfter mal rausziehen: Alles ist möglich. Fotos: iStock (2), Fotolia

Berlin/München. Beruf und Familie vereinbaren, Job und Privates ausbalancieren – das ist im 21. Jahrhundert einfacher als je zuvor. Gesetzliche und tarifliche Extras gelten inzwischen für viele persönliche Situationen – und das Verständnis in den Personalabteilungen, etwa für Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Eltern oder für Väter in Babypause, ist gestiegen.

Manche Regeln hängen auch von Unternehmensgröße oder Dauer der Betriebszugehörigkeit ab. Im Großen und Ganzen gelten folgende Punkte.

  • Teilzeit: Man darf die Arbeitszeit ohne Angabe von Gründen verringern, diesen Wunsch muss man drei Monate zuvor ankündigen. Die Firma kann aus betrieblichen Gründen ablehnen. Beide Seiten sollen aber möglichst einvernehmlich eine Lösung finden, etwa bezüglich der Verteilung der Stunden auf die Wochentage.
  • Elternzeit: Für jedes neu geborene Kind kann jeder Elternteil maximal 36 Monate Auszeit nehmen. Anfangs hilft der Staat mit Elterngeld. Eine Elternzeit kann auf bis zu drei Abschnitte verteilt werden, bis zu 24 Monate dürfen zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes liegen. Während der Elternzeit darf man bis zu 30 Wochenstunden arbeiten.
  • Pflegezeit: Wird plötzlich die Pflege eines nahen Angehörigen nötig, kann man sofort bis zu zehn Arbeitstage pausieren. Für diese Tage gibt es keinen Lohn, aber das staatliche Pflegeunterstützungsgeld. Für planbare Pflege kann man bis zu sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Beruf aussteigen. Außerdem darf man die Arbeitszeit für bis zu 24 Monate auf bis zu 15 Wochenstunden senken, um nahe Angehörige in häuslicher Umgebung zu pflegen. Und wer einen Sterbenden etwa im Hospiz begleiten will, kann dafür bis zu drei Monate ganz oder teilweise aussteigen.
  • Altersteilzeit: Ab 55 kann man in einvernehmlicher Absprache mit der Firma die Arbeitszeit halbieren. Meist erfolgt dies im „Blockmodell“: Erst arbeitet man wie gehabt weiter, um dann früher Adieu zu sagen. Der Betrieb muss beim Entgelt und den Rentenversicherungsbeiträgen etwas drauflegen. In der Metall- und Elektroindustrie ist das sogar noch großzügiger geregelt, im Tarifvertrag „FlexÜ“. Allerdings greift der frühestens ab dem 57. Geburtstag.
  • Bildungsteilzeit: Der Tarifvertrag macht zum Beispiel ein Bachelor-Studium möglich: Mitarbeiter und Firma können sich auf bis zu sieben Jahre Teilzeit bei halbiertem Entgelt einigen. Zuerst wird voll gearbeitet, dann folgt die Bildungsphase außerhalb des Betriebs. HOF

Die weiteren Artikel des Themen-Specials:

6 Prozent mehr Entgelt und ein neuer individueller Anspruch, die Arbeitszeit deutlich zu reduzieren: Aufgrund dieser Forderungen der IG Metall zeichnet sich in der Metall- und Elektroindustrie eine harte Tarifrunde ab.

Schon jetzt zählen unsere Arbeitskosten zu den höchsten der Welt. Mit ihrer Arbeitszeit-Forderung würde die IG Metall den Betrieben ein neues Problem aufbürden: Sie können nicht mehr auf schwankende Aufträge reagieren.

Drei von vier Beschäftigten in Bayern finden, das Thema Arbeitszeit sei vernünftig geregelt. Es gibt Freiräume – auch um die Arbeitszeit zeitweise abzusenken. So lautet das Resultat einer Befragung der IG Metall.

Tariflich bezahlte Mitarbeiter dürfen statt 35 bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten, natürlich für mehr Entgelt. Allerdings beschränkt eine Quote diese Möglichkeit auf 13 Prozent der Belegschaft.

Warum sind so viele unterschiedliche Arbeitszeitmodelle entstanden und profitieren davon auch die Mitarbeiter? AKTIV-Interview mit Ökonom Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Stets für die Kunden da sein und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Mitarbeiter gut mit der Flexibilität leben können: Vier Unternehmer aus Bayern erzählen, wie sie das trotz globaler Konkurrenz hinkriegen.

Am „Besuchstag“ taucht die achtjährige Michelle an Papas Arbeitsplatz auf: Wie zum Beispiel das auf Sonnenschutzsysteme spezialisierte Familienunternehmen Warema in Marktheidenfeld Väter und Mütter unterstützt.

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