Vielfalt bringt Erfolg

Beim Schellenhersteller Norma Group arbeiten Menschen aus 28 Nationen


Maintal. „Mögen Sie einen schönen heißen Tee?“ Ahmet Oezkan ist Türke und weiß, wie man Besucher empfängt, auch mitten in der Produktion von Norma Germany in Maintal. Seit 34 Jahren arbeitet er hier. Sein Freund und Kollege Ercan Alisanoglu ist seit 27 Jahren dabei und beide haben sichtlich Spaß in ihrem Job.

„Es ist doch egal, welcher Nation man angehört, wir Menschen sind doch alle gleich“, sagt Produktionshelfer Oezkan lächelnd und widmet sich wieder der Maschine. „Vielfalt wird bei uns forciert und gefördert“, sagt Gerhard Wulz, Geschäftsführer von Norma Germany.

„Nicht über die Leute reden, sondern vor Ort mit ihnen!“

Der jüngste Norma-Mitarbeiter ist gerade mal 17 Jahre alt, der älteste 64. Unter den knapp 700 Beschäftigten am Standort sind Angehörige von 28 Nationen zu finden und auch Menschen mit Handicap.

Die Rücksichtnahme auf die unterschiedlichen Bedürfnisse, Kulturen und Religionen wird entsprechend gepflegt. „Horizont­erweiterung und Weltoffenheit muss man immer wieder anstoßen“, betont Wulz, der mit umfangreichen Programmen auch das Image als attraktiver Arbeitgeber fördern will.

Mehr als 1,5 Millionen Schlauchschellen werden jeden Tag in seiner Halle produziert. Norma ist ein weltweiter Markt- und Technologieführer für hochentwickelte Verbindungstechnik wie Befestigungsschellen und Fluidsysteme.

Das Unternehmen gehört zur börsennotierten Norma Group mit weltweit 4.800 Mitarbeitern. Gerhard Wulz ist seit einem knappen Jahr beim Tochterunternehmen Norma Germany für die Standorte Maintal und Gerbershausen in Thüringen verantwortlich. Zuvor war der Österreicher bei einem amerikanischen Unternehmen für Finnland, Italien, England und Deutschland zuständig. „Dann lernt man ,Diversity‘, die ungeheure Vielfalt von Menschen, zu schätzen und diese auch zu nutzen“, so Wulz.

Jeden Morgen ist er in der Fertigung unterwegs – mit dem kompletten Management von Vertrieb, Einkauf und Qualitätswesen bis zum Versand. „Ich will nicht am runden Tisch über die Menschen reden, sondern mit ihnen vor Ort, wo Wertschöpfung passiert“, betont der Ingenieur.

Ute Krüger arbeitet in der Fertigungssteuerung und musste sich erst daran gewöhnen, dass Wulz in der Frühe mit dem ganzen Stab in die Produktion kommt und auch Fragen stellt. „Aber inzwischen bin ich dabei sehr entspannt, denn unsere Leistung wird gesehen und bei Problemen wird sofort geholfen.“ Sie freut sich über die Wertschätzung und den respektvollen Ton.

Auch Hicham Boumediane genießt die gute Atmosphäre. Der Ingenieur und Qualitätsmanager kam mit 20 aus Marokko nach Deutschland. Er spricht fließend Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. „Mein Multikulti-Hintergrund wird geschätzt, auch weil ich verschiedene Kunden mit verschiedenen Nationalitäten weltweit betreue. Deshalb fühle ich mich hier einfach wohl.“

Gerhard Wulz kann sich darüber nur freuen: „Wenn das Umfeld stimmt, sind die Menschen hoch zufrieden und erbringen gerne Höchstleistungen. Das ist unser Schlüssel zum Erfolg.“

Kommentar

Volker Fasbender. Foto: Verband
Volker Fasbender. Foto: Verband

Vielfalt statt Einfalt

Von Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL

Wo es in unserer Industrie früher um Massenproduktion ging und um entsprechende Normierung der Leistung, Bezahlung und Arbeitszeit, geht es heute um individuelle Vielfalt. Sie wird in immer mehr Unternehmen nicht nur geduldet oder einbezogen, sondern geradezu gefördert: wie beim M-Dax-­Unternehmen Norma.

Je mehr Nationalitäten an einem Standort zusammen arbeiten, desto mehr lernt man die Vielfalt zu schätzen – zum Beispiel ein guter Araber und ein guter Deutscher zugleich zu sein, bringt Vorteile und wird geschätzt. Gleiches gilt für Expertenkulturen: Je mehr Spezialisten von Produktion bis Vertrieb für den Erfolg sorgen, desto wichtiger ist, dass möglichst alle ein Grundverständnis der gemeinsamen Arbeit haben, um das Ganze Bescheid wissen und deshalb besser verstehen, wie wichtig ihr Teilbereich ist.

Deshalb wird das Management von Vielfalt, also die rechte Balance zwischen Individualität und Standardisierung zu finden, immer entscheidender für den Erfolg im „Herzen der Wirtschaft“.

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