Kampf gegen die Flut

Beim Hochwasserschutz gibt es durchaus Fortschritte

Zerstörung: Wassermassen in Braunsbach bei Schwäbisch Hall. Foto: dpa

Aachen/Braunsbach. Häuser in Trümmern, Autos, die im Schlamm versinken, herausgerissene Bäume. Die Hochwasserkatastrophe Ende Mai hat Tote, Verletzte und Schäden in Milliardenhöhe hinterlassen. Schon wieder Fluten im Sommer – wie zuletzt 2013, 2007, 2002 oder 1997. Seit Jahren investieren die Bundesländer in den Hochwasserschutz. Hat das alles nichts genutzt?

„Gegen die gewaltigen Wassermassen, die jetzt in Süddeutschland vom Himmel kamen, gibt es keinen 100-prozentigen Schutz“, sagt Professor Holger Schüttrumpf von der Technischen Hochschule Aachen. Während in den vergangenen Jahren die großen Flüsse wie Elbe oder Donau über die Ufer traten, ließ zuletzt der starke Niederschlag selbst kleine Bäche anschwellen, die Dörfer überschwemmten.

„In der Vergangenheit wurde aber viel getan. Schutzmaßnahmen haben uns vor einer ganzen Reihe von Katastrophen bewahrt“, so Schüttrumpf. So haben die Bundesländer viel Geld in Schutzmaßnahmen wie Deichbau investiert. Und der Bund hat im Jahr 2013, nachdem Oder und Donau Verwüstungen historischen Ausmaßes angerichtet hatten, den milliardenschweren Fluthilfefonds aufgelegt. Damit werden Betroffene unterstützt.

Zudem ist seit einem guten Jahr das nationale Hochwasserschutzprogramm in Kraft: Deiche werden erhöht, ausgebessert oder vom Ufer wegverlegt, damit das Wasser nicht so schnell anschwillt. 20.000 Hektar Überflutungsfläche sollen entstehen. Dafür hat der Bund 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. „Es war längst überfällig, dass länderübergreifende Maßnahmen in Angriff genommen werden“, so Schüttrumpf.

„Doch wie bei anderen Infrastrukturprojekten hakt es bei der Umsetzung“, so der Hochwasser-Experte. Die Gründe sind langwierige Genehmigungsverfahren oder bürokratische Hürden. „Aber es genügt nicht, ausreichend Deiche und Rückhaltebecken zu bauen“, erklärt Schüttrumpf.

Genauso wichtig seien Aufklärung über Vorsorge und ein schlaues Flächenmanagement. „Wir müssen Bereiche, die wir nicht nutzen, freihalten für Hochwasser-Ereignisse.“ Das führt zu Interessenkonflikten, die wieder viel Zeit verschlingen. Denn Landwirte wollen ihre Felder genauso wenig für Überflutungsflächen hergeben wie Kommunen wertvolles Bauland.

Für die Opfer der Überflutungen – wie etwa im baden-württembergischen Braunsbach oder im bayerischen Simbach – stehen jetzt aber nicht langfristige Schutzprojekte im Fokus, sondern der Wiederaufbau ihrer Häuser. Der Gesamtschaden lässt sich noch nicht abschätzen. Allein der Kreis Rottal-Inn in Bayern beziffert den Schaden seiner Gemeinden auf 1 Milliarde Euro.

Die Sommerhochwasser vor drei Jahren verursachten einen Schaden von insgesamt 12 Milliarden Euro – in Süd- und Ostdeutschland.


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