Rutscht Putin in die Pleite?

Bei russischen Konzernen wird das Geld schon knapp

Schlechte Aussichten: Präsident Putin stürzt sein Land in eine Krise. Foto: Reuters

Moskau/Frankfurt. Viel zu hoch ist der Preis schon jetzt: In der Ukraine hat der Konflikt mit Russland bereits Menschenleben gekostet. Doch der russische Staatspräsident Wladimir Putin stürzt mit seinem Konfrontationskurs auch sein eigenes Land in eine schwere Krise. Der Wirtschaft geht das Geld aus.

„Seit Februar ist es keinem einzigen russischen Unternehmen mehr gelungen, Anleihen auf dem Kapitalmarkt zu platzieren“, sagt Jürgen Elfers, Analyst bei der Commerzbank in Frankfurt. Allein in den nächsten sechs Monaten müssen Anleihen in einem Volumen von 54 Milliarden Dollar refinanziert werden.

Die Investoren aber wenden sich ab. Sie haben schon so viel Kapital abgezogen wie im gesamten letzten Jahr – über 60 Milliarden Dollar. Und statt eines knappen Wachstums wie 2013 droht eine Rezession.

Anschluss der Krim wird viele Milliarden verschlingen

Auch der Rubel stürzt ab. „Er lag im Durchschnitt des ersten Quartals mit 48 Rubel für den Euro um 20 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum“, sagt Analyst Elfers. Zudem wurde die Kreditwürdigkeit Moskaus von der US-amerikanischen Ratingagentur Standard & Poors stark herabgestuft: Sie liegt jetzt knapp über Ramschniveau. Die Sanktionen des Westens gegen Putin dürften diese Entscheidung beeinflusst haben, heißt es auf den Finanzmärkten.

Noch verfügt Russland zwar über 450 Milliarden Dollar an Devisenreserven. Und die Staatsverschuldung des an Erdgas reichen Landes ist gering. Doch die Kosten von Putins Vorgehen gegen die Ukraine sind gewaltig. Der Kreml-Chef selbst spricht von 2 Milliarden Euro allein in diesem Jahr, nur um die Krim aufzupäppeln.

Langfristig, schätzen manche Analysten, dürfte der Anschluss der zuvor ukrainischen Halbinsel so teuer werden wie die Olympischen Spiele in Sotschi. Rund 36 Milliarden Euro haben die das Land gekostet.

In Moskau behauptet man zwar trotzig, die Investoren kämen schon zurück, sonst entgehe ihnen ja ein Geschäft. Doch diese Kalkulation hat einen verhängnisvollen Fehler: Wer Russland heute den Rücken kehrt, investiert morgen woanders.


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