Alles in Ordnung

Bei IBA Hartmann bekommt der Aktenordner eine Taille

Augsburg. Der Auftrag ist schon fast abgearbeitet – und da stehen sie, die nagelneuen knallblauen Ordner. Stück an Stück warten sie darauf, verpackt und ausgeliefert zu werden. Ein paar kommen aber noch dazu: Schichtleiterin Katja Schröger nietet gerade die glänzenden Mechaniken in die letzten Kartonrücken.

Millionen solcher Ordner und Ringbücher verlassen jedes Jahr das Werk der Firma IBA Hartmann im bayerischen Augsburg. „Bei jedem einzelnen Arbeitsschritt achten wir penibel auf größte Genauigkeit“, sagt Schröger. Nur dann sei gesichert, dass jedes Teil die gewünschte Funktion erfüllt – „und dass es perfekt steht, gut aussieht und über Jahre hält“.

Pfiffige Idee: Design-Ordner mit schlanker Mitte

Diesen Anspruch sollen auch die vielen anderen Podukte zur Aufbewahrung aller möglichen Dinge erfüllen, die hier hergestellt werden – vor allem aus Papier, Pappe oder Kunststoff und für eine vielfältige Kundschaft. Schröger, seit mehr als 40 Jahren im Betrieb, hat da schon jede Menge Veränderungen erlebt. Immer wieder ist es dem Unternehmen mit nun knapp 130 Mitarbeitern gelungen, neuen Gegebenheiten am Markt standzuhalten.

Nicht zuletzt durch pfiffige Ideen – ein Beispiel: der gebrauchsmustergeschützte IBA-Design-Ordner. Er ist in der Mitte verschlankt und kann an dieser „Taille“ leichter aus dem Regal gegriffen werden als der altbekannte Aktenordner.

„Das Kürzel IBA stand anfangs für die ,Industrielle Büro-Ausstattung‘ aus Plastik“, erzählt Markus Hartmann, in zweiter Generation Geschäftsführer des Familienunternehmens. „Heute bedeutet es für uns: Idee – Beratung – Anfertigung.“ Angefangen hatte alles 1955 in einer Augsburger Garage. Aus Kunststoff stellte man unter anderem Schreibtischunterlagen und Ringbücher her. Loseblatt-Sammlungen, in denen Seiten leicht ausgewechselt werden können, waren bald schwer gefragt.

Zum Renner entwickelte sich Anfang der 70er-Jahre aber ein eher bürofernes Produkt – werbende Kühltaschen, gefertigt für Coca-Cola. Solche Produkte sind nach wie vor im Programm, allerdings nicht mehr wie früher daheim aus PVC geschweißt, sondern in China aus Nylon genäht. Die Prototypen entwickelt ein Täschnermeister im Augsburger Betrieb.

Zum Produktportfolio gehören inzwischen längst auch speziellere Taschen, Notfalltaschen für Rettungskräfte zum Beispiel oder Bordbücher für Fahrzeuge. Wobei größere Stückzahlen generell oft von langjährigen Partnerfirmen im Ausland produziert werden, etwa in der Türkei, wenn es um (Kunst-)Leder geht.

„Genähte Produkte sind mit einem so hohen Maß an Handarbeit verbunden, dass nur Produktionsstandorte außerhalb Deutschlands wettbewerbsfähig sind“, erklärt der Chef.

Vor gut einem Jahr kaufte Hartmann einen Teilbetrieb der insolventen Druckerei J. Nickert in Neu-Ulm. Seitdem sind auch Medien- und Systemverpackungen im Angebot. Man kann also vielfältige Kundenwünsche umsetzen – oft mit mehreren Produkten: „Da ist nichts von der Stange, sondern alles fein aufeinander abgestimmt und mit individuellem Aufdruck“, betont Hartmann.

Bei der Auflage gibt es praktisch keine Grenzen

Möglich ist das oft ab Losgröße eins. Wobei die Firma für alle Mengen offen ist: „Häufig sind für uns geringe Stückzahlen, die wir mittels Digitaldruck gestalten, ein Einstieg für später höhere Auflagen“, so Hartmann. Die Mitarbeiter sind daher sehr flexibel, in der Produktion können die meisten mehrere Maschinen führen.

Wie zum Beispiel Helena Dengler. Sie ist seit kanpp 30 Jahren bei IBA Hartmann und arbeitet gerade am sogenannten Buchdeckenautomaten. Der beklebt die Innenseiten von Ordnerhüllen – das muss auf den Punkt genau stimmen, nichts darf verrutschen.

„Dieser Automat und ich, wir verstehen uns“, erzählt Maschinenführerin Dengler mit einem Augenzwinkern, „man braucht Erfahrung, damit alles reibungslos läuft. Und wenn mein Automat steht, geht es ja auch bei den anderen nicht weiter.“

Unnötiger Stillstand? Unnötig teuer – Zeit ist Geld. Das lernen Nachwuchskräfte hier schnell. Davon gibt es einige: IBA Hartmann bildet regelmäßig junge Leute aus.


Recht neu im Programm: Mediabooks und Buchboxen

Geordnetes Innenleben: Hazan Derin befüllt Buchboxen mit Materialmustern. Foto: Scheffler
Geordnetes Innenleben: Hazan Derin befüllt Buchboxen mit Materialmustern. Foto: Scheffler
  • Ende 2014 hat das Augsburger Unternehmen IBA Hartmann einen Teilbereich der insolventen Druckerei J. Nickert in Neu-Ulm übernommen.
  • Zur Produktsparte „Mediaverpackungen“ gehören Buchboxen und Mediabooks etwa für CDs oder DVDs, USB-Sticks und diverse sonstige Datenträger. Die Produktion wird rasch nach Augsburg verlegt.
  • Die neue Produktlinie ergänzt die ohnehin schon breite Produktpalette rund ums Thema Ordnung und Präsentation.
  • Raffinierte Boxen sind ein hochwertiges Nischenprodukt, zum Beispiel für Sammler oder die Archivierung.
  • Speziell Werbemittelhersteller setzen ebenfalls auf die Boxen – mal wird darin ein USB-Stick verpackt oder eine Kreditkarte überreicht, mal werden Produkte griffig präsentiert (im Bild rechts zum Beispiel Fliesen).

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