Es geht voran!

Behörden bringen Flüchtlinge schneller in Integrationskurse und Asylverfahren

Inzwischen geht es fix bei den Flüchtlingen. In 24 Ankunftszentren sind Registrierung, Gesundheitscheck, Asylantrag durchgetaktet. Das bringt die Menschen rasch in die Kommunen. Dort übernehmen Schwerpunktbehörden die Integration.

Sie lernen Deutsch: Viele Flüchtlinge absolvieren jetzt Eingliederungskurse oder gehen zur Schule. Foto: dpa

Sie lernen Deutsch: Viele Flüchtlinge absolvieren jetzt Eingliederungskurse oder gehen zur Schule. Foto: dpa

Fingerabdruck gefordert: Die Registrierung geht nun viel fixer. Foto: dpa

Fingerabdruck gefordert: Die Registrierung geht nun viel fixer. Foto: dpa

In der Werkstatt: Junge Leute bereiten sich auf die Lehre vor. Foto: dpa

In der Werkstatt: Junge Leute bereiten sich auf die Lehre vor. Foto: dpa

Nürnberg/Lebach. Wie rasch bewältigt Deutschland die Zuwanderung? Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) macht da mit der Bilanz für das Jahr 2016 jetzt viel Hoffnung: 700.000 Asylverfahren wurden entschieden, zweieinhalbmal so viele wie im Vorjahr. 317.000 Menschen starteten einen Sprach- und Integrationskurs, ein Plus von 80 Prozent. Zudem kamen lediglich 280.000 Asylsuchende ins Land.

Seit Oktober 2015 wurde die Behörde stark reformiert. Die Mitarbeiterzahl wurde auf 9.200 verdreifacht, die Computersysteme wurden auf Vordermann gebracht. Die Organisation in den ersten Anlaufstellen für die Geflüchteten, den „Ankunftszentren“, wurde umgekrempelt. Das bringt die Integration in Fahrt.

Vorbild für die neuen Abläufe in den Ankunftszentren sind Einrichtungen wie die Landesaufnahmestelle Lebach im Saarland. „Vom ersten Schritt eines Neuankömmlings in die Büros bis zum Umzug in eine Kommune ist unser Prozess klar durchstrukturiert“, berichtet Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz-Saarland. Das Besondere an der Arbeitsweise dort: In dem Zentrum sitzen Beschäftigte von Ausländerbehörde, Bundesamt für Migration und Arbeitsagentur Tür an Tür.

Registrierung, Gesundheitscheck, Anhörung und Asylantrag, erste Gespräche mit Berufsberatern – alles ist durchgetaktet, passiert innerhalb von etwa vier Wochen. „Mit jedem Flüchtling erarbeiten wir einen ersten Integrationsplan“, so Schulz. „Auch können wir einen computerunterstützten Kompetenztest machen.“

24 Ankunftszentren gibt es heute bundesweit. Dort reichen die Neuankömmlinge ihren Asylantrag ein, im Durchschnitt 16 Tage nach der Einreise. Anfang 2016 war das erst nach 72 Tagen der Fall. Und die Dauer neuer Asylverfahren schnurrte zuletzt auf 2,1 Monate zusammen. Schwieriger zu entscheidende ältere Anträge eingerechnet, brauchen die Verfahren aber mehr Zeit.

Mit einem ähnlichen Konzept drücken auch viele Städte auf die Tube: Sie sind für die Neuankömmlige zuständig, denen von den Ankunftszentren ein Aufenthaltsort zugewiesen wurde.

Gemeinsam mit der Arbeitsagentur haben Kommunen alle wichtigen Ansprechpartner in einer Schwerpunkt-Behörde zusammengezogen. Das erleichtert Absprachen, damit die Menschen rasch mit Integrationskurs, Berufsvorbereitung oder Ausbildung loslegen können. Etwa 100 Städte nutzen inzwischen diesen Ansatz.

Und doch lässt sich manches besser machen, sagt Jutta Aumüller. Sie hat eine Studie über Integration verfasst – und betreut beim Christlichen Jugenddorfwerk Berlin-Brandenburg Flüchtlinge: „Viele junge Zugewanderte sind über 18; auch ihnen müssen wir eine Ausbildung ermöglichen.“

Berufsschulen öffnen für ältere Schüler

Die Berufsschulen sollten deshalb für über 18-jährige Schüler geöffnet werden, in der Regel bis zum 21. Lebensjahr, bei Bedarf bis 25. In Bayern ist das schon der Fall. Zudem müssten Flüchtlinge fehlende Teil-Qualifikationen nachträglich im Job erwerben können, fordert die Expertin. „Das wird älteren Zuwanderern helfen, die kaum noch eine dreijährige Ausbildung anfangen werden.“

Auch die Arbeitsagenturen haben das erkannt und wollen künftig mehrmonatige Kurse anbieten.

„Integration braucht Zeit“, sagt Aumüller. „Aber die Chancen stehen gar nicht schlecht.“


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aktualisiert am 15.12.2017

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