Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt

Bayerns M+E-Industrie wartet auf den Aufschwung – aber der Job-Motor läuft bereits

Marktoberdorf/Waldkraiburg/Cham. Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Die Produktion der bayerischen Metall- und Elektroindustrie tritt seit längerer Zeit auf der Stelle. Die Unternehmen fertigen heute insgesamt nicht viel mehr als vor drei Jahren. Aber: Ihr Personal haben sie deutlich aufgestockt.

Etwa 780.000 Menschen arbeiten derzeit in den bayerischen Betrieben – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Seit dem Konjunktur-Absturz von 2009 wurden 70.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Jobmotor läuft so gut, dass die Zahl der Beschäftigten mittlerweile um 20.000 über dem Vorkrisenniveau liegt.

Agco/Fendt investierte an zwei Standorten 230 Millionen Euro

Die Auslastung der Kapazitäten ist in den Firmen allerdings eher niedrig. Derzeit beträgt sie im Schnitt nur 82,5 Prozent. Als normal gelten 85 Prozent. Das führt zu höheren Lohnstückkosten, die aufgrund der zurückliegenden Tarifrunden ohnehin gestiegen sind und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe schmälern. Trotzdem werden Mitarbeiter derzeit kaum entlassen. Denn sie könnten im nächsten Aufschwung fehlen.

Somit kommt der Beschäftigungsaufbau in den prosperierenden Unternehmen voll zur Geltung. Und von denen gibt es neben den Autoherstellern BMW und Audi, die 2013 wieder Rekord-Absatzzahlen vermeldeten, auch einige andere.

Eine dieser Erfolgsgeschichten schreibt der Allgäuer Landmaschinenhersteller Agco/Fendt in Marktoberdorf nahe Kaufbeuren. Er hat die Mannschaft an seinen zwei großen schwäbischen Standorten zuletzt kräftig vergrößert – um rund 600 Mitarbeiter in zwei Jahren. Sie bauen in Marktoberdorf Traktoren und fertigen zusätzlich in Asbach-Bäumenheim bei Donauwörth die Kabinen.

Das Unternehmen hat für rund 230 Millionen Euro den Werkverbund modernisiert, um ihn effizienter und leistungsfähiger zu machen. „Die Situation für die gesamte Agrarbranche ist positiv und die Perspektiven sind solide“, sagt Agco/Fendt-Geschäftsführer Peter-Josef Paffen. „Und mit den neuen Produktionskapazitäten sind wir zum richtigen Zeitpunkt auf weiteres Wachstum sehr gut vorbereitet.“

Im vergangenen Jahr wurden bereits knapp 18.000 Traktoren gefertigt. Das sind rund 5.500 mehr als noch 2010. Und bis 2018 soll die Produktion auf 20.000 Stück steigen. Agco/Fendt investiert dazu unter anderem in neue Traktorentechnik. „Den Bereich Forschung und Entwicklung haben wir in den letzten Jahren kräftig ausgebaut“, erklärt Paffen. 2012 sind allein hier 120 neue Arbeitsplätze entstanden.

130 neue Leute in den vergangenen 18 Monaten

Auch im oberbayerischen Ort Waldkraiburg, bei der Firma Netzsch Pumpen & Systeme, läuft es schon seit längerem hervorragend. „Wir wachsen seit Jahren kontinuierlich“, stellt Jens Niessner fest, der Geschäftsführer des Pumpenherstellers. Seit 2008 nahm die Belegschaft von knapp 400 auf heute mehr als 600 Mitarbeiter zu. Allein in den letzten 18 Monaten wurden 130 zusätzliche Leute eingestellt.

Vor allem Pumpen für die Gas- und Ölförderung werden gerade stark geordert. Netzsch baut Modelle, in denen im Inneren sogenannte Elastomere eingesetzt werden. Das sind elastische Kunststoffe, die Pumpen widerstandsfähig machen.

„Unsere Pumpen verzeihen auch mal einen Stein“, sagt Niessner. Dies sei besonders wichtig für die Förderung aus weniger reinen Lagerstätten, zum Beispiel von Ölschlamm. Und deren Ausbeutung sei wegen des relativ hohen Ölpreises zunehmend attraktiver geworden.

„Um das Wachstum zu stemmen, mussten wir vergangenes Jahr das Werk erweitern“, sagt Niessner. Zuletzt wurde sogar ein Teil der Fertigung aus Brasilien zurück nach Waldkraiburg verlagert, um mit der Produktion näher an den Märkten zu sein. Vor allem in Russland und dem Mittleren Osten stieg zuletzt die Nachfrage. „Wir produzieren in der Region für die Region“, beschreibt Niessner die Firmenstrategie. Mit der Produktion in Europa könne man nun sechs bis acht Wochen schneller liefern.

Neue Mitarbeiter hat auch die Firma Müller Präzision im oberpfälzischen Cham eingestellt. „Etwa 150 waren es in den vergangenen zehn Jahren“, sagt Erwin Bucher, Geschäftsführer des Metall verarbeitenden Unternehmens. Die Belegschaft hat sich dadurch in diesem Zeitraum auf heute rund 350 fast verdoppelt. Und bis Ende dieses Jahres sollen noch einmal zwei Dutzend Leute hinzukommen.

Weiteres Wachstum ist noch möglich

Müller Präzision wächst als Zulieferer mit seinen Kunden. Die kommen aus der Fahrzeug-Industrie, der Elektrotechnik, dem Maschinenbau und der Energieversorgung. Viele sind im Markt sehr erfolgreich und setzen schon seit Jahrzehnten auf Motoren- oder Hydraulikteile aus Cham.

Um weiter wachsen zu können, hat die Firma im vergangenen Jahr in ein neues Werk nahe des Stammsitzes investiert. „Wir wären sonst bald an unsere Grenzen gekommen“, sagt Bucher. Die Produktionsfläche wurde mit dem Ausbau um die Hälfte vergrößert. Und Platz für eine weitere Verdopplung ist auch noch da.


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