Schutz vor den Fluten

Bayern investiert in Dämme, Deiche, Polder – und die Bürger entscheiden mit

Deggendorf/Passau. Nach der Flut ist vor der Flut. Damit selbst ein Jahrhunderthochwasser wie zuletzt im Sommer 2013 künftig keinen Schaden mehr anrichtet, soll in Bayern kräftig in Vorhaben investiert werden. Bis 2020 stehen insgesamt 1,6 Milliarden Euro für den Bau von Deichen, Dämmen oder Rückhaltebecken zur Verfügung.

Aus den Plänen zum Hochwasserschutz sollen nun Taten werden: Heuer konnten sich die Bürger an den Planungen beteiligen. Sogenannte „Hochwasser-Dialoge vor Ort“ machten das möglich. Begonnen haben die Diskussionsveranstaltungen in Deggendorf. „Das Interesse war sehr groß“, berichtet Landrat Christian Bernreiter. Schließlich will entlang von Donau, Mangfall und Inn niemand mehr eine solche Katastrophe erleben wie vor zwei Jahren.

Wie der Schutz genau funktionieren könnte, haben Forscher der Technischen Universität München ausgetüftelt. Sie setzen auf sogenannte gesteuerte Flutpolder. Ähnlich wie eine Badewanne können diese eingedeichten Flächen gezielt geflutet werden. Für Landrat Bernreiter unverzichtbar: „So kappen wir dem Hochwasser die Spitze.“ Gegen diese Pläne regt sich allerdings auch Widerstand. Denn die Polderflächen werden meist landwirtschaftlich genutzt. Bauern fürchten um ihre Ackerflächen, die in Poldergebieten liegen. Für Experten hingegen steht fest: Die jüngste Flutkatastrophe an der niederbayerischen Donau hätte mit eben solchen Flutpoldern verhindert werden können.

Und durch den Klimawandel, so die Erwartung, werde die Gefahr von extremen Hochwassern steigen. Vor allem Städte wie Passau, wo Donau, Inn und Ilz zusammenfließen, sind schwer zu schützen. Dort stand das Wasser am 3. Juni 2013 so hoch wie seit 500 Jahren nicht mehr. Nun hat die Dreiflüssestadt jüngst in zwei Meter hohe Aluminiumwände investiert, die im Katastrophenfall montiert werden können. Ohnehin wird der Kampf gegen die Fluten dort auch von vielen Bürgern als eine Gemeinschaftsaufgabe angesehen.

Neben technischen Maßnahmen setzt man im Freistaat auch auf die Natur als Verbündete: So ist die Isar zwischen München und Moosburg aus ihrem engen Flussbett befreit worden, Deiche wurden zurückverlegt und Auwälder geschaffen. Das Renaturierungsprogramm war bereits erfolgreich: Die Wassermassen im Juni 2013 hat die Isar dort gut verkraftet.


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