Investitionen

Baustelle Zukunft


Neue Hallen, neue Produkte: Viele Unternehmen setzen auf weiteres Wachstum

Fröhliche Gesichter, Applaus: In Nürnberg durchschneiden hochrangige Persönlichkeiten ein rotes Band. Dahinter liegt ein neues Werk, so groß wie fünf Fußballfelder. 280 Mitarbeiter fertigen dort für Bosch Rexroth Windkraft-Großgetriebe. Ein Bild aus vergangenen Zeiten? Nein, die Feier war Ende April. Krise hin oder her, einige Unternehmen investieren – jetzt.

Franz Fehrenbach, der Vorstandsvorsitzende von Bosch, begründet das so: „Wir bauen auch in schwierigen Zeiten unser Engagement in chancenreichen Märkten aus.“ Und: „Der Windenergie-Markt weist gutes Wachstumspotenzial auf.“ Allein dieses Jahr sollen ­ in dem neuen Werk 300 Großgetriebe gebaut werden, für „Multi-Megawatt-Anlagen“ der neuesten Generation.

Nur 3 Prozent Minus bei Bau-Projekten

Beispiele wie diese gibt es überall in Deutschland. Zwar lagen die Investitionen der gesamten deutschen Wirtschaft von Januar bis März um 8 Prozent niedriger als in den drei Monaten zuvor, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Bei Bauten betrug der Rückgang 3 Prozent. Doch das sind noch vergleichsweise gute Zahlen – angesichts des massiven Auftrags- und Umsatzeinbruchs in den vergangenen Monaten.

Obwohl der Auftragseingang etwa im größten Industriezweig Metall und Elektro im ersten Vierteljahr um unglaubliche 26 Prozent niedriger lag als noch im Sommer vergangenen Jahres, ziehen viele Unternehmen ihre Investitionen wie geplant durch.

Zum Beispiel der Kranhersteller Liebherr MCCtec in Rostock. Er verdoppelt gerade die bisherige Produktionsfläche. Ende 2010 soll die neue Halle fertig sein, 740 mal 80 Meter groß. 700 neue Mitarbeiter werden darin Schiffs- und Offshore-Krane fertigen – die Zukunft bringt also auch hier neue Arbeitsplätze.

Oder bei Boge, Hersteller von Kompressoren. Er hat in Bielefeld eine 4.500 Quadratmeter große Halle für Produktion und Logistik gebaut. Derzeit strukturiert das Familienunternehmen die gesamte Fertigung um. Ziel: noch effizienter werden. Die 10 Millionen Euro, die das Projekt kostet, stemmt Boge zwar nicht mit links. „Aber wer langfristig plant und auch in Zukunft wachsen will, muss in Gebäude, Maschinen und Personal investieren“, sagt Geschäftsführer Wolf Meier-Scheuven. Der Standort zählt 435 Mitarbeiter, Tendenz steigend.

Miele: Neues Werk für Dampfgarer

Gebaut wird auch in Bünde, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen, bei Miele: Der bekannte Hausgeräte-Hersteller steckt dort 12 Millionen Euro in ein neues Gebäude sowie in neue Fertigungsanlagen.

In der zusätzlichen Montagehalle werden ab 2010 Miele-Dampfgarer hergestellt: ein junges Produkt mit großem Wachstumspotenzial. In Bünde sind zurzeit 540 Mitarbeiter beschäftigt.

Im oberschwäbischen Biberach haben die Vollmer Werke soeben für 6 Millionen Euro ein Technologie- und Dienstleistungszentrum eröffnet. Die Firma fertigt Schleif- und Erodiermaschinen für die Holz und Metall verarbeitende Industrie. Geschäftsführer Stefan Brand hat noch mehr Pläne. So soll in Dornhan im Schwarzwald ein neues Werk entstehen, verrät er.

Auch an der Entwicklung neuer Produkte und Technologien wird bei Vollmer in Biberach nicht gespart. Die lässt sich der Familienbetrieb regelmäßig rund 8 Prozent des Jahresumsatzes kosten. Firmenchef Brand: „An dieser langfristigen Strategie werden wir nichts ändern. Wir geben auch künftig kräftig Gas.“

Seine Entscheidungen sind ein Hoffnungssignal. Denn die Region Ulm, zu der auch Biberach gehört, ist von der Krise ganz besonders gebeutelt. Insgesamt haben hier die Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie von Januar bis März 20 Prozent weniger investiert als im Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zur Entwicklung der Aufträge erscheint selbst das noch moderat: Sie brachen in dieser Region um 40 Prozent ein.

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Schlagwörter: Technik-Trends

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