Standpunkt

Aussichten im Abschwung

Warum Deutschland robuster dasteht als im Krisenjahr 2001

Nach einigen für Be­schäftigung und Wachstum guten Jahren geht es erst mal wieder ab­wärts. Anlass für einen Rückblick auf den uns abhanden gekommenen Aufschwung – zumal er Keime für die nächs­te Erholung aufweist.

Vor allem ist da die Umkehr eines schlimmen Trends zu verzeichnen. 35 Jahre lang hatte die Arbeitslosigkeit am Ende jedes Aufschwungs hö­her gelegen als am Ende des vorherigen – im Durchschnitt um 800.000. Diesmal war es an­ders: Die Zahl der Job-Sucher lag rund 300.000 nied­riger als 2001.

Das ist kein Zufall. Vor allem diese drei Dinge kamen zusammen und wirkten in die gleiche Richtung:

  • Erstens haben unsere Betriebe ihre Produkte und Produktionsverfahren auf den neuesten Stand gebracht. Sie fertigten pro Arbeitsstunde Jahr für Jahr im Schnitt 4,3 Prozent mehr Wa­re – weltweit waren es „nur“ 3,5 Prozent. Im Vergleich zu unseren wichtigsten auswärtigen Wettbewerbern schaffen wir seit Anfang des Jahrzehnts sogar 21 Prozent mehr „Produktivitäts­zu­wachs“.
  • Zweitens haben sich die Lohnkosten moderat entwickelt. Bei uns stiegen sie im vergangenen Zyklus von Ab- und Aufschwung um 2,2 Prozent pro Jahr, dagegen um 3,6 Prozent bei den anderen. Produktiver und relativ kostengünstig – ein Doppelschlag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Welcher sowohl den Export als auch die Bin­nenwirtschaft beflügelt hat.
  • Drittens hat die Arbeitsmarkt-Politik geholfen. Sie förderte die Zeitarbeit und verstärkte den Anreiz zur Arbeitsaufnahme, etwa durch neue „Aufstocker“-Regeln. Beides nützte nicht zuletzt den Geringqualifizierten, die am stärks­ten von der Job-Misere betroffen sind – ihr Anteil an den Langzeitarbeitslosen liegt bei 50 Pro­zent. Bei den aus Ar­beits­lo­sigkeit neu Eingestellten waren die Geringqualifizierten  im  letzten  Aufschwung doppelt so stark vertreten, wie es ihrem Anteil an der Erwerbsbevölkerung entsprochen hätte.

Weiter so, und mehr von al­lem – das wäre das Heilmittel gegen den Abschwung. Also etwa einfache Arbeit fördern, statt sie mit Mindestlöhnen abzuschaffen. In die richtige Richtung weist der Tarifvertrag der Metall- und Elektro-Industrie: Die für Mai vorgesehene zweite Stufe der Lohn-Erhöhung kann notfalls auf Betriebsebene ausgesetzt werden. Vor Ort weitere Freiräume für sachgerechte Personalwirtschaft zu schaffen, ist das beste Job-Programm.


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Schlagwörter: Gesellschaft

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