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Außer Kontrolle!


Mangel frustriert Europas Jugend: Doch Deutschland bietet ein anderes Bild

Bonn. Noch immer fahndet die Polizei nach Schlägern, Plünderern und Randalierern, die sich an der beispiellosen Welle der Gewalt in englischen Städten beteiligt haben. Und die Bürger fragen besorgt nach den Ursachen für die Ausschreitungen.

Eine Erklärung – wahrlich keine Rechtfertigung – dürfte die Arbeitsmarktstatistik der Insel liefern. Jeder fünfte Jugendliche hat keinen Job.

Noch höher sind die Arbeitslosenquoten der unter 25-Jährigen unter anderem in Griechenland (39 Prozent) und in Spanien (46). Protestierende Jugendliche gibt es auch dort – wenngleich sich deren Zorn nicht in Straßenterror entlädt.

Während fehlende Arbeitsplätze Jugendliche in ganz Europa frustrieren, sieht die Lage in Deutschland deutlich besser aus. Verglichen mit 2008 (siehe Grafik), dem Boom-Jahr vor der Krise, ist die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen sogar gesunken. Die Gründe:

  • die Konjunktur. Sie ließ die Zahl aller Arbeitslosen unter drei Millionen sinken.
  • das duale Ausbildungssystem. „Bei uns werden die Auszubildenden früh in die Arbeitsabläufe im Betrieb eingegliedert“, erklärt Günter Walden vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Dadurch gelinge der Übergang auf den Arbeitsmarkt reibungsloser. „Anderswo dagegen wird nur in Schulen ausgebildet. Die Berufseinsteiger müssen danach in den Unternehmen erst eingearbeitet werden. Das kann eine Bremse sein“, stellt Walden fest.
  • der flexible Arbeitsmarkt – etwa mit befristeten Jobs und Zeitarbeitsstellen. „Die dienen oft als Sprungbrett zur festen Anstellung“, sagt Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).
  • der Fachkräftebedarf von morgen, für den die Betriebe vorsorgen.

 

Im neuen Ausbildungsjahr, das am 1. September begonnen hat, wird die Zahl der Lehrstellen auf 620.000 steigen, so das BIBB. Das sind 40.000 mehr als ein Jahr zuvor. Viele werden sogar unbesetzt bleiben. Schulabgänger haben also beste Möglichkeiten.

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