Auf Kosten der Kollegen


Wer die Solidarität übertreibt, landet in der Tran-Wirtschaft

Einzelne Kollegen, die sich mit durchziehen lassen, gibt es in vielen Betrieben. Ein bisschen unbezahlte Mehrarbeit können die anderen ja vielleicht verkraften, und auch das Unternehmen spürt die Ergebnisminderung kaum. Es menschelt halt hier und da.

Problematisch wird das erst mit Kündigungsschutz von Staats wegen. Den darf, wer immer Laune dazu hat, getrost als Lizenz zum Leerlauf missverstehen. Derzeit hält dieser sich im Rahmen: Der Aufschwung funktioniert ja nicht ohne hochmotivierte Belegschaften. Doch generell lädt verschärfter Kündigungsschutz zu einer Lockerung der Arbeitsmoral ein. Und die Kündigungskosten kommen hinzu. In schöner Spiegelung erzeugt die staatliche Kündigungsmauer eine unternehmerische Einstellungshürde.

Die Gesamtwirtschaft ist aus unserer guten alten Mitte ein Stück weit auf die schiefe Bahn zum „demokratischen Sozialismus“ geraten – dessen Vollendung von links außen aus die mehrfach gewendete einstige DDR-Staatspartei SED einstweilen nur entgegenträumt. In Richtung des „richtigen“ Sozialismus, ganz ohne Politwirtschaftsplangewalt und Stasi.

Denn ein sozialistischer Grundgedanke besteht ja im veränderten Wirtschaften: im Plattmachen von (gewinn- und verlustrechnenden) „Unternehmen“ zu bloßen (Fertigungs-)„Betrieben“. In dieser Vorstellungswelt werden Einstellungshürden wirtschaftlicher Art ignoriert – und die Kündigung aus wirtschaftlichem Grund wird prinzipiell unmöglich.

Das Paradies auf Erden entsteht dabei nicht. „Wir tun so, als ob wir arbeiten“ wird zur Regelarbeitsmoral. Jeder plagt sich damit ab, was jeder andere hat schleifen lassen. Das ist, im Sprachgebrauch „demokratisch“ gewendeter SEDler, ein „solidarisches Gemeinwesen“.

Nun mag es ja Leute geben, die eine „solidarische“ Tran-Wirtschaft mit weitgehender Arbeitsplatzsicherheit der „nicht-solidarischen“ Leistungs- und Erfolgswirtschaft mit allgegenwärtiger Arbeitsplatzgefährdung vorziehen. Doch die Kehrseite ist bekanntlich: „Sie tun so, als ob sie uns bezahlen.“

Und die Geschmäcker sind eben verschieden. Es wird stets auch Arbeitnehmer geben, welche in einer solchen Lage die Möglichkeit leistungsbedingten persönlichen Erfolgs so sehr vermissen, dass sie am Ende ihren Kulturbeutel schnüren und rübermachen.

Wie würde das in diesem Sinne vollendete „solidarische Gemeinwesen“ damit wohl umgehen? Ohne Weglaufsperre wie gehabt könnte es nicht überleben.

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