Standpunkt

Auf die Plätze, fertig, los

Konkurrenz ist gut – wenn sie vernünftig organisiert wird

Wettbewerb ist seit jeher ein Lebensprinzip. Zwar nicht das Lebensprinzip schlechthin, wie die Sozialdarwinisten meinen, die das menschliche Tun auf den „Kampf ums Dasein“ reduzieren. Aber Wettbewerb ist auch nicht Ausdruck einer das unschuldige Leben vergiftenden Wirtschaft – wie es mitunter in realitätsfernem Kluggewäsch behauptet wird.

So ließ Professorin Gesine Schwan, während ihrer diesjährigen Kandidatur um das Amt des Bundespräsidenten, folgenden O-Ton ab: „Im Kern ist die fatale wirtschaftliche Entwicklung durch die Deregulierung Ende der 70er-Jahre entstanden, als Konkurrenz und Wettbewerb hemmungslos entfesselt wurden. Die Konkurrenz durchzieht heute alle Lebensbereiche der Menschen bis ins Private.“

Schauen wir also zu, wie das Leben so spielt. Und gehen zu diesem Zweck zurück in den Juni 1996. „Marsch auf Bonn“, 350.000 Gewerkschafter auf Demo gegen den „Sozialabbau“ der Regierung Kohl. Mittendrin Ursula Engelen-Kefer, damals Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds.  In ihren unlängst erschienen Memoiren heißt es: „Ich habe noch nie so ein Gedränge um die ersten beiden Reihen vor den Fernsehkameras erlebt.“ Immer wieder „musste ich energisch meinen Ellenbogen einsetzen, um nicht von der marschierenden Prominenz ins Abseits geschoben zu werden“.

Wettbewerb als Lebensprinzip. Wo jeder ins Bild will, sind die Plätze rar – und die solidarisch eingehakten Arme zum Wegkeilen von Kollegen umso dienlicher. Das war schon so, bevor das Wort „Deregulierung“ (Abbau von Wettbewerbshemmnissen) erfunden wurde.

In diesem Fall hätte die beste Deregulierung darin bestanden, die Spitzenplätze auf der Demo zu versteigern.  Die Herrschaft von Preisen ersetzt das Recht des Stärkeren durch das des Zahlungskräftigeren und wirkt im Gedränge friedensstiftend.

Aus sozialistischer Sicht freilich ist damit der Teufel mit Beelzebub ausgetrieben. Aber die sozialistische Lö­sung schafft mit den marktbestimmten Preisen auch gleich viele begehrte Güter ab. Und das Recht des Zahlenden ist nicht so unsozial, wie es sich anhört. Im Supermarkt kauft die fettere Kreditkarte keinem die Butter vor der Nase weg. Sie kauft vor allem feiner – bis hin zu technisch veralteten Uhren oder Handtaschen, deren Mehrwert im Label besteht. Womit wir wieder beim Kampf ums Rampenlicht wären.


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Schlagwörter: Gesellschaft

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