Rechtsschutz

Auf der sicheren Seite?


Kein Geld für einen Ehestreit: Wenn die Fetzen fliegen, wie hier extrem bei Kathleen Turner und Michael Douglas im „Rosenkrieg“, hält die Versicherung sich raus. Foto: cinetext

In welchen Fällen eine Police wirklich hilft – und wann sie überflüssig ist

Klagen können ohne Kostenrisiko – das ist vielen wichtig: 21 Millionen Rechtsschutzverträge gibt es laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Jährlich werden dafür 3,2 Milliarden Euro Beiträge berappt, gut 150 Euro pro Vertrag. Eigentlich zu wenig: Nach einem aktuellen Vergleich der Stiftung Warentest muss man für einen vernünftigen Schutz mindestens 230 Euro ausgeben. Und was vielen nicht klar ist: Die Police schützt gar nicht in allen Lebenslagen!

Kein Anbieter hilft bei Zoff ums Erbe

„Eine Rechtsschutzversicherung ist grundsätzlich nur sinnvoll, wenn man Auseinandersetzungen um hohe Summen befürchtet – denn der Streitwert bestimmt die Kosten des Verfahrens“, erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Doch ausgerechnet teure Streits im Leben werden kaum finanziert: „Es gibt meines Wissens keinen, der beim Familien- und Erbrecht Versicherungsschutz anbietet.“

„Familien- und Erbrecht sind in den Standardverträgen nicht abgedeckt“, bestätigt GDV-Pressesprecherin Katrin Rüter de Escobar. „Es gibt allerdings einzelne Versicherer, die speziellen Unterhalts- oder Ehe-Rechtsschutz anbieten.“

Normalerweise zahlt man also das Scheidungsverfahren oder den Zoff über Opas Erbe trotz Versicherung aus eigener Tasche. Von einigen Anbietern werden aber immerhin eine Erstberatung oder eine Mediation übernommen.

Auch Häuslebauer müssen den Gang zum Anwalt grundsätzlich selbst zahlen: „Verfahren aus dem Bau von Immobilien sind nicht versicherbar“, sagt Rüter de Escobar.

Mieterbund springt Mitgliedern bei

Was man versichern kann, sind Streitigkeiten nach Schäden im Straßenverkehr. „In der Praxis lohnt sich das vor allem dann, wenn man selbst geschädigt wurde, beispielsweise als Fußgänger, und der Gegner die Kfz-Versicherung des Schädigers ist“, sagt Verbraucherschützer Rudnik.

Gegen Stress mit dem Vermieter kann man sich ebenfalls absichern. Wer aber im Mieterverein ist, ist da in der Regel schon auf der sicheren Seite.

Versicherbar sind auch Streitereien mit der Firma. Gewerkschaftsmitglieder brauchen dafür aber keine Police – sie sind in Sachen Arbeitsrecht automatisch versichert.

Bleibt der Streit im Alltag. Die Versicherung zahlt da zum Beispiel bei Zoff um Handwerker-Rechnungen oder die Einstufung durch die Pflegekasse. „Wichtig ist der Einschluss von Verfahren gegen andere Versicherungen, etwa, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlen will.“

Für streitsüchtige Zeitgenossen ist die Police sowieso kein Freifahrschein. Nach dem zweiten Schaden innerhalb von zwölf Monaten haben Versicherung und Kunde ein Sonderkündigungsrecht ...

Fazit: Man sollte sich gründlich überlegen, ob man so eine Police wirklich benötigt. „Wichtiger“, so Rudnik, „sind beispielsweise die Haftpflicht- und die Berufsunfähigkeitsversicherung.“

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aktualisiert am 09.10.2017

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