Geldanlage

Auf der Jagd nach leichter Beute


Im Moment gibt es nur niedrige Zinsen: Da wagen sich manche Anleger in zu tiefe Wasser. Foto: fotolia

Finanzhaie suchen ihre Opfer sogar im Familienkreis – wie Sie sich schützen können

Stuttgart. Bernd K. ist sicherheitsbewusst: Sein angelegtes Geld soll am Ende der Laufzeit mindestens erhalten sein. Der Freund eines Freundes rät zu einem „Private Equity Fonds“ – und K. steigt ein. Was er nicht ahnt: Mit seinen Zahlungen in den Fonds wird er Teilhaber einer Kommanditgesellschaft, und damit haftet er in Höhe der Einlage! „Im schlimmsten Fall kann das Geld komplett weg sein“, betont Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Leider ist K. kein Einzelfall, wie Nauhauser weiß. Nicht selten sind die Freunde von Bekannten Finanzhaie, die nur auf Provisionen scharf sind. Doch es gibt Warnsignale.

Zum Beispiel, wenn jemand Sie am Telefon zu einer Geldanlage überreden will. Oder gar unerbeten an der Haustür klingelt! Typische Lockvogel-Fragen: „Sie wollen doch Ihre Altersvorsorge optimieren?“ – oder „Haben Sie nicht auch das Gefühl, zu viel Steuern zu zahlen?“ Tipp: Gespräche, die so anfangen, sofort beenden!

Auch bei hohen Renditen, sollten Sie ganz genau hinsehen – denn es gibt, so Nauhauser, „keine hohe Rendite ohne hohes Risiko“. Vorsicht ist außerdem angebracht, wenn schriftliche Unterlagen fehlen oder erst nach der Unterschrift nachgereicht werden sollen.

Dass man sich in Sachen Geldanlage nie zur Eile drängen lassen sollte („diese Konditionen sind nur noch ein paar Tage zu haben“), dürfte selbstverständlich sein. Zumal man im Zweifelsfall mehrere Meinungen einholen sollte.

Werbung im Familienkreis

Besonders kritisch wird es, wenn Freunde von Freunden Produkte anbieten. Oft steckt dahinter ein sogenannter Strukturvertrieb: Wer auf der untersten Hierarchie-Stufe ist, muss am meisten verkaufen. Wer viel verkauft, klettert höher und lebt von den Provisionen, die die anderen herbeischaffen. „Nur selten ist die Qualifikation angemessen, dazu lockt das schnelle Geld – einige verkaufen dann sogar im Familienkreis überteuerte und manchmal gefährliche Produkte“, so Nauhauser.

Das Problem: „Wer keine Provision für ein Produkt bekommt, das günstig ist und zum Verbraucher gut passen würde, der verkauft das bedauerlicherweise nicht – sondern bietet provisionsträchtige Produkte an.“ Darum sei es für An-leger besser, unabhängig beraten zu werden und dafür dann ein vorab festgelegtes Honorar zu bezahlen.

Vor jeder Empfehlung sollte sich der Finanzdienstleister einen Gesamteindruck verschaffen: Sind existenzielle Risiken abgesichert? Was sind die Anlageziele? Was ist wichtiger für den Kunden: Sicherheit oder mögliche Rendite?

Nie ohne Protokoll

Worauf man im Gespräch achten sollte: Hat der Finanzdienstleister Produkte verschiedener Anbieter parat? Kann er die Sache so erklären, dass der Anleger wirklich versteht, was er unterschreibt? Erwähnt er auch ganz banale Produkte, die für den Kunden spesengünstig sind – etwa ein Tagesgeldkonto oder Bundesschatzbriefe? Steht nicht der Kunde, sondern ein Produkt im Mittelpunkt, sollte man argwöhnisch werden.

Übrigens: Ein ordentliches Beratungsgespräch muss protokolliert werden! Nauhausers Vorlage finden Sie unter www.vz-bw.de/musterprotokollkostenlos im Netz.

Info: Video-Warnung

Ein so amüsantes wie plakatives Video zum Thema hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kürzlich ins Internet gestellt. Den Drei-Minuten-Film können Sie sich kostenlos ansehen – auf www.youtube.com (als Suchworte zugleich „Finanzhai“ und „Verbraucherzentrale“ eingeben).

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