Nachhaltigkeit

Auf dem Holzweg


Modell des Bahnhofs Freiburg: Das Dach ist nur ein Architekten-Traum, doch der Innovationspreis des Industrieverbands BDI ist real. Animation: Rolf Disch SolarArchitektur

Neues aus der Materialforschung: Eine preisgekrönte Entwicklung inspiriert Architekten

Dresden. Weit spannt sich das Solardach am ICE-Bahnhof von Freiburg im Breisgau. Oben produziert es grünen Strom, unten schützt es vor Regen. Getragen wird es von baumartig verzweigten Pfeilern aus – Holz?!

Die filigrane Konstruktion ist zwar nur ein Entwurf: Der in Freiburg ansässige renommierte Solar-Architekt Rolf Disch hat ihn angefertigt, um das Potenzial einer Innovation aus der Materialforschung zu demonstrieren.

Denn: Das Dach würde tatsächlich halten! Dafür verbürgt sich der Holzbau-Professor Peer Haller von der Technischen Universität Dresden. Er hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, aus gewöhnlichem Holz tragende Bauteile herzustellen.

Enorme Tragkraft

„Holz ist wegen seiner Faserstruktur durch Druck und heißen Dampf formbar wie Schaumstoff“, erklärt Haller. „Wir pressen das Holz quer zur Faser, schneiden es zu Scheiben und verleimen diese zu Platten.“ Dann werden die Platten in einer selbst entwickelten Maschine gebogen – etwa zu Rohren.

Auf diese Weise wird das Holz dichter, fester und steifer. Ein Rohr von 30 Zentimetern Durchmesser, dessen Außenwand ganze 20 Millimeter dick ist, kann das Gewicht von 50 Autos tragen.

„Ummantelt mit Carbon- oder Glasfasern gewinnt es an Tragfähigkeit und ist zudem gegen Verwitterung geschützt“, berichtet Haller. Für seine Entwicklung wurde er kürzlich vom Bundesumweltministerium und vom Bundesverband der deutschen

Industrie (BDI) mit dem „Innovationspreis für Klima und Umwelt“ ausgezeichnet. Bisher können 150 Zentimeter lange Profile hergestellt werden, demnächst sollen es 300 Zentimeter sein. „Die Serienreife des Verfahrens ist in Sicht“, sagt Haller. Er betont: Der Energie-Einsatz beim Herstellen ist vergleichsweise gering. Dabei lässt sich der ganze Baum verarbeiten – anders als bei der Verarbeitung im Sägewerk, wo nur etwa die Hälfte des Stamms genutzt wird.

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