Es geht aufwärts – für alle

Auch Geringverdiener profitieren von der wirtschaftlichen Dynamik

Nach oben: Auch Gebäudereiniger verdienen inflationsbereinigt deutlich mehr als vor Jahresfrist. Foto: dpa

Wiesbaden/Köln. Die Konjunktur zieht an. In den ersten drei Monaten 2014, das teilte jetzt das Statistische Bundesamt mit, legte die Wirtschaftsleistung doppelt so schnell zu wie in den drei Monaten zuvor – um 0,8 Prozent im Vergleich zum Schlussquartal 2013. Das ist auf ein ganzes Jahr hochgerechnet ein Wachstumstempo von 3,2 Prozent.

Aber wem kommt diese Stärke zugute: nur den Reichen oder auch den Menschen mit weniger Einkommen? Angesichts der neuen Diskussion um Arm und Reich, entfacht von einem Bestseller des französischen Ökonomen Thomas Piketty, wirft AKTIV einen Blick auf die Fakten in Deutschland.

Laut Statistischem Bundesamt gab es von Januar bis März im Durchschnitt 41,7 Millionen Erwerbstätige – so viele wie noch nie zu Jahresbeginn. Und die jüngsten Tarifabschlüsse „sahen in vielen Wirtschaftszweigen erneut ein Plus von mindestens 3 Prozent vor“, berichtet die in Wiesbaden ansässige Behörde. „Damit setzte sich die seit Mitte 2011 zu beobachtende Entwicklung fort.“

Im größten Industriezweig Metall und Elektro, der 2013 eine Steigerung in zwei Stufen verabredete, sind die Tarifentgelte in diesem Jahr um 3,2 Prozent höher. Ähnlich sieht es in der Chemie und im öffentlichen Dienst aus. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise lagen im bisherigen Jahresverlauf nur um gut 1 Prozent höher.

In der Zeit von 2005 bis 2011 hat sich der Abstand zwischen den Einkommen verringert

„Vom robusten Arbeitsmarkt und steigenden Reallöhnen profitieren auch Beschäftigte mit niedrigerem Einkommen“, sagt Judith Niehues vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Damit dürfte sich ein Trend fortsetzen. Denn die mit Zeitverzug erscheinende Verteilungsstatistik zeigt: Schon von 2005 bis 2011 stieg das preisbereinigte Netto-Einkommen des ärmsten Zehntels um 6 Prozent.

Dagegen hat sich der Wert des einkommensstärksten Zehntels in diesem Zeitraum kaum verändert – anderslautenden Vorurteilen zum Trotz. „Die Einkommensschere hat sich, anders als noch von 2000 bis 2005, zuletzt ein wenig geschlossen“, stellt Niehues klar.

Die Verteilungsstatistik basiert auf einer repräsentativen Wiederholungsbefragung in 12.000 Privathaushalten. Aus den Befragungen lässt sich übrigens auch ableiten: Armut ist oft nicht von Dauer. Nur 17 Prozent derer, die 2005 zum ärmsten Fünftel gehörten, waren auch noch 2011 in dieser Gruppe.

Und der „Gini-Koeffizient“ zur Verteilung der Netto-Einkommen (0 ist totale Gleichheit, 1 totale Ungleichheit) liegt bei 0,29. Wir sind da im Mittelfeld der Industrieländer. Das Brutto ist ungleicher verteilt (0,5) – der Sozialstaat verteilt eben kräftig um.

Mehr Infos über die Einkommensverteilung in Deutschland:
arm-und-reich.de


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