Sicherheitspolitik

Atom-Abkommen: Was die Annäherung im Iran-Konflikt für die deutsche Wirtschaft bedeutet

Smartphone: Westliche Produkte gehören längst ins Stadtbild der Hauptstadt Teheran. Foto: Getty Images

Berlin. Die Welt spricht von einer historischen Entscheidung: Anfang April haben die UN-Vetomächte und Deutschland mit dem Iran Eckpunkte für ein neues Atom-Abkommen beschlossen. Demnach reduziert der Iran seine Uran-Anreicherung und unterwirft sie Kontrollen – im Gegenzug werden die westlichen Sanktionen, wie das Öl-Embargo, aufgehoben.

Auch wenn die Verhandlungen über die detaillierte Umsetzung dieser Eckpunkte zäh verlaufen, ist eines klar: „Beide Seiten haben konkrete Zusagen gemacht – die werden sie nicht einfach zurücknehmen können“, so Cornelius Adebahr, Iran-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin.

Die Eiszeit mit dem Westen hat den Iran wirtschaftlich geschwächt. Seine reale Wirtschaftsleistung ist dieses Jahr um 5 Prozent niedriger als noch vor vier Jahren, so der Internationale Währungsfonds. Mit 393 Milliarden Dollar liegt sie bei gerade mal 12 Prozent des deutschen Niveaus.

In dem 75-Millionen-Einwohner-Land gibt es enormen Nachholbedarf. „Ein wichtiger Sektor ist der Öl- und Gasmarkt“, so Iran-Kenner Adebahr. „Da muss dringend investiert werden.“ Der Iran brauche Know-how, um Quellen, die nach dem Öl-Embargo geschlossen wurden, wieder zu öffnen. Er ist eines der ölreichsten Länder der Welt.

Auch im Bereich der Umwelttechnologie sei ein Modernisierungsschub nötig. Und natürlich böten sich, wenn der Iran wieder wirtschaftlich in Schwung komme, auch Chancen für die Konsumgüter-Industrie, so Adebahr. „Westliche Produkte wie iPhone oder Coca-Cola sind den Iranern durchaus vertraut.“

Bevor die Sanktionen im Jahr 2011 verschärft wurden, war Deutschland wichtigster Handelspartner. Doch unser Iran-Export halbierte sich in nur drei Jahren, von 3,8 Milliarden Euro 2010 auf 1,9 Milliarden 2013. Lieferant Nummer eins ist nun China.

Deutsche Firmen stehen in den Startlöchern. „Sie haben eine gute Ausgangsposition, weil deutsche Technologie und Know-how einen guten Ruf genießen“, so Adebahr. Vor allem in den Branchen Autobau, Maschinenbau und Chemie gab es früher im Iran viel Geschäft.

Allerdings schränkt der Experte ein: „Wie lange es dauert, bis die Sanktionen aufgehoben sind, und wann Unternehmen Investitionssicherheit haben, kann niemand absehen.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang