Rechenzentren – die Bodenstationen der Cloud

Astronomische Höhen: Wohin mit unseren gigantischen Datenmengen?

Stuttgart/Heidelberg. Der Turm von Tablet-Computern, der auf dieser Seite hinaus ins Weltall ragt, symbolisiert Unvorstellbares: die in Deutschland gespeicherte Datenmenge des Jahres 2020.

Die Tablets, jedes mit 128 Gigabyte Speicher, würden sich auf 63.000 Kilometern stapeln. Das ist ein Sechstel der Entfernung zum Mond. Und die Datenmenge wächst rasant: von 2014 bis 2020 auf das Fünffache, von 0,23 auf 1,1 Zettabyte – also 1.100 Milliarden Gigabyte.

Die Zahlen stützen sich auf Untersuchungen der International Data Corporation, einer weltweit tätigen Marktforschungsfirma aus Framingham (USA). Außerhalb Deutschlands wächst die Datenmenge vielerorts sogar noch schneller: Global gesehen wird sie sich von 2014 bis 2020 verzehnfachen. Die riesigen Mengen entstehen etwa beim Surfen mit Smartphones, in sozialen Netzwerken oder durch die Vernetzung von Maschinen.

Und: Schon heute liegt ein Fünftel aller Bits und Bytes in der „Cloud“, in der „Wolke“. In ein paar Jahren sind es über 40 Prozent.

Was natürlich im Ernst nicht bedeutet, dass sie an dem verdatterten Astronauten vorbei irgendwo im Universum verschwinden. Jede Datei braucht einen physischen Speicher – in Rechenzentren oft weit weg vom Anwender.

„Die Datenspeicherung und -verarbeitung wird immer komplexer und dadurch teurer“, berichtet Hans-Jürgen Rehm von der deutschen IBM-Zentrale in Ehningen bei Stuttgart. „Deshalb lagern immer mehr Firmen diese Aufgabe aus.“ 200 Milliarden Dollar Umsatz, das sind aktuell 160 Milliarden Euro, dürften die Anbieter von Rechenzentren damit im Jahr 2020 einnehmen. Neben IBM sind zum Beispiel auch Google, SAP und Telekom in dem Geschäft aktiv. Laut Branchenverband Bitkom wurden letztes Jahr in Deutschland 7,75 Milliarden Euro in solche Anlagen investiert.

IBM hat in Ehningen sein größtes Cloud-Datenzentrum in Europa eröffnet, eines von weltweit 40. Hier stehen unterirdisch wie in einem Hochsicherheitstrakt Hunderte Datenschränke, jeder mit bis zu 2.000 Festplatten.

Die Anlagen müssen ständig gekühlt werden

„Weil Datensicherheit absolute Priorität hat, gibt es jede Festplatte mindestens zweimal“, so Rehm. Die Unternehmen wollen dabei auch schnellen Zugriff auf die Daten, etwa für Videokonferenzen oder die Lohnabrechnung.

Der Stromverbrauch solcher Speicher ist gigantisch. Das Rechenzentrum von SAP in Sankt Leon-Rot bei Heidelberg, eines von weltweit 23, benötigt 86 Millionen Kilowattstunden pro Jahr – etwa so viel wie eine Stadt mit 50.000 Einwohnern. Die Rechner müssen ständig gekühlt werden. „Früher hat man einheitlich auf 16 Grad heruntergekühlt“, erklärt Jürgen Burkhardt, der für die SAP-Cloud-Datenzentren verantwortlich ist. Heute werde nur noch an wenigen Stellen auf 26 Grad gekühlt.

Und trotz aller Sparmaßnahmen: „Noch mal bauen könnten wir hier nicht. Der Energieversorger kann nicht noch mehr Strom liefern.“


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