Lebensrettende Medizin

Arzneimittel aus Plasma helfen Blutern


Marburg. Ein kleiner Schnitt in den Finger: Was für die meisten Menschen nur ärgerlich ist, bedeutet für die rund 6.000 Bluter in Deutschland Lebensgefahr. Ihnen fehlt ein Gen, das die Gerinnung steuert. Dann helfen Medikamente von CSL Behring aus Marburg. Der Arzneimittel-Hersteller, dessen Hauptsitz in Australien liegt, ist auf Produkte aus Plasma spezialisiert.

Mehr als die Hälfte des Blutes besteht aus der gelblich klaren Flüssigkeit. Sie ist ein kostbarer Rohstoff, der sich nicht künstlich herstellen lässt und von Spendern stammt. „Plasma enthält zu 90 Prozent Wasser und außerdem viele verschiedene Eiweißstoffe“, erklärt Betriebsleiter Peter Güttner.

Ausbeute bei 1 Prozent

Das Plasma wird tiefgefroren angeliefert und kontrolliert aufgetaut. Beim Erwärmen setzen sich auf der Oberfläche weiße Flocken (Kryopräziptat) ab: „Daraus gewinnen wir den Wirkstoff“, so Güttner. Die Substanz wird in komplizierten Verfahrensschritten bearbeitet. Dabei wird sie immer reiner und konzentrierter. Und die Menge schrumpft enorm: Am Ende bleiben von 10.000 Litern Plasma nur wenige Liter Produkt übrig, die Ausbeute liegt bei unter 1 Prozent.

Anfangs läuft die Herstellung fast automatisch ab, später ist Handarbeit gefragt: „Dann liegt nur noch ein hauchdünner Produkt-Film an der Wand der Zentrifuge, der vorsichtig abgekratzt wird“, so Güttner. Er lobt seine Leute: „Da zählen Erfahrung, Geschick und gute Nerven.“

Insgesamt stellt CSL Behring mit mehr als 2.000 Mitarbeitern in Marburg 26 verschiedene Präparate her – zum einen gegen Gerinnungsstörungen, aber auch gegen Immundefekte, für Wundheilung und Intensivmedizin. Wie man die Produktion der Wirkstoffe optimieren oder diese anderweitig einsetzen kann, beschäftigt die hauseigene Abteilung für Forschung und Entwicklung.

Nur noch eine Spritze pro Woche statt drei

„Wir haben zum Beispiel ein Gerinnungsmittel, das wir gerne auch bei schweren Operationen einsetzen würden“, berichtet Hubert Metzner, Leiter der Prozessentwicklung am Standort.

Erleiden Patienten hohe Blutverluste, könnte das Mittel die Blutung verlangsamen: „Das verringert die Verwendung von Blutkonserven“, so der Experte. Außerdem werden Medikamente, die bereits auf dem Markt sind, weiterentwickelt. Beispiel: ein Gerinnungsfaktor, den sich Bluter bisher dreimal wöchentlich spritzen müssen. „Künftig sollte eine Spritze pro Woche reichen“, so Metzner. Noch ist das Medikament in der Testphase, in wenigen Jahren könnte es in den Regalen liegen.

Die Produkte gehen von Marburg aus in die ganze Welt. Im Wesentlichen teilen sich drei große Unternehmen den globalen Markt für Plasmaprodukte: CSL Behring (20 Prozent), das spanische Unternehmen Grifols (17 Prozent) und der US-Konzern Baxter (22 Prozent).

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