Pharma

Arzneien aus dem Meer


Sanofi-Aventis sucht in der Ostsee nach neuen Wirkstoffen für Medikamente

Frankfurt. Steckt in Muscheln, Schnecken, Bakterien, Schwämmen, Pilzen und Algen vielleicht Potenzial für neue Medikamente? Könnte sein: Der Pharmahersteller Sanofi-Aventis erforscht jetzt zusammen mit dem Biotechnologie-Unternehmen „Ressourcenzentrum Marine Organismen“ in Greifswald, ob Substanzen aus Meeresorganismen nützliche Wirkstoffe enthalten, etwa für Medikamente.

Gewebe-Klebstoff aus Miesmuscheln

Nirgends gibt es so viele verschiedene Pflanzen und Tiere wie im Meer: „Die meisten sind noch gar nicht entdeckt“, sagt Gudrun Mernitz, Geschäftsführerin des Ressourcenzentrums. An der Ostsee konzentrieren sich die Forscher auf Algen und Pilze, die im Kampf gegen Infektionen helfen.

Spannend ist auch der „Klebstoff“ der Miesmuschel, der für extrastarke Haftung an Muschelbänken sorgt – Ebbe und Flut zum Trotz. Vielleicht, so mutmaßen Wissenschaftler, eignet er sich als Gewebekleber und ersetzt beim Wundverschluss die Nähte? Auch das Gift bestimmter Meeresschnecken nehmen Wissenschaftler unter die Lupe: Es soll Schmerzen lindern.

Was einfach klingt, ist in Wirklichkeit recht kompliziert: „Zwar liefert das Meer viele chemische Vorbilder für neue Substanzklassen. Aber der Weg zu einem marktreifen Arzneimittel ist noch lang und ungewiss“, weiß Mark Brönstrup, Leiter der Naturstoff-Forschung bei Sanofi-Aventis in Frankfurt.

Erste Schritte für neue Arznei

Das Ressourcenzentrum liefert bestimmte Mikroorganismen aus der Ostsee. Die lassen sich im Labor – unabhängig von Jahreszeit oder Umweltbedingungen – vermehren. Denn die

Forscher können nur Arten nutzen, die sich in identischer Form nachzüchten lassen.

Die will sich Brönstrup genau ansehen. „Wir isolieren aus den Organismen zunächst reine Verbindungen, untersuchen sie in unseren biologischen Testsystemen und hoffen, dass sich eine Substanz als Leitstruktur für wertvolle neue Medikamente entpuppt“, sagt er. Bis daraus dann tatsächlich ein Medikament wird, vergehen mindestens noch 10 bis 15 Jahre. Doch der erste Schritt ist getan.

„Blaue Medikamente“

Meeresorganismen wie Algen, Pilze oder Bakterien liefern der Forschung neuartige, biotechnologisch interessante Substanzen. Man nutzt diese Naturstoffe in der Human- und Tiermedizin, aber auch in der Lebensmittel-, Fisch- und Kosmetikindustrie oder in der Landwirtschaft.

Bis die „blauen Medikamente“ auf dem Markt sind, wird es aber noch dauern: Obwohl bereits über 10.000 Naturstoffe mit pharmakologischen Wirkungen in Meeresorganismen entdeckt wurden, sind weltweit erst knapp 50 Präparate in der klinischen Prüfung.

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