Rentenversicherung

Arme Alte sind selten


Unsere Senioren stehen im Schnitt besser da als Familien

Berlin. Am 1. Juli steigen die Renten: Rund 20 Millionen Menschen bekommen künftig 1,1 Prozent mehr überwiesen. Das klingt harmlos – aber es ist deutlich mehr, als unseren Senioren nach der sorgsam ausbalancierten Rentenformel eigentlich zustehen würde.

Das politische Geschenk entzückt die Wähler: Vier von fünf Bürgern finden es laut einer Allensbach-Umfrage „richtig, dass die Renten stärker steigen als ursprünglich geplant“. Schließlich hatte das Thema „Altersarmut“ immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Nur: Dabei ging es gar nicht um die Rentner von heute!

Den ziemlich beruhigenden Stand der Dinge hat die Regierung gerade für den „Armutsbericht“ ermitteln lassen. Ergebnis: Bei den Älteren liege das Armutsrisiko keineswegs höher als in der Gesamtbevölkerung. 2,3 Prozent der Menschen ab 65 beziehen „Grundsicherung im Alter“: Am Tropf der Sozialhilfe hängt also nur einer von 43 Rentnern.

Andere soziale Gruppen, Alleinerziehende zum Beispiel, stehen deutlich schlechter da. Der Freiburger Rentenexperte Professor Bernd Raffelhüschen spitzt das so zu: „Die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland auf ein armes Kind zu stoßen, ist fünfmal so groß wie die, einen armen Rentner zu treffen.“

Im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin rechnete Verteilungsökonom Markus Grabka aus: Werden das selbst genutzte Wohneigentum und die Zahl der Haushaltsmitglieder berücksichtigt, dann „stehen die Älteren im Durchschnitt besser da als Familienhaushalte“.

Warnung vor der Senioren-Demokratie

Tatsächlich kommt das Problem der „armen Alten“ erst noch auf uns zu – in 20, 30, 40 Jahren. Die in Paris ansässige Industriestaaten-Denkfabrik OECD sorgt sich vor allem um „die heutigen Geringverdiener sowie diejenigen, die nicht durchgehend Beiträge zahlen“.

Aber auch ganz normale Arbeitnehmer müssen der alternden Gesellschaft erheblichen Tribut zollen: Ab 2012 werden wir schrittweise länger arbeiten („Rente mit 67“) – trotzdem wird das Rentenniveau sinken. Die Jüngeren werden ihren Lebensstandard nur mit privater Vorsorge halten können. Raffelhüschen empfiehlt, 6 bis 7 Prozent vom Brutto fürs Alter zurückzulegen.

Basis unserer Altersvorsorge bleibt aber die gesetzliche Rente. Ob wir ihr vertrauen, hängt aus Sicht der Bundesbank „entscheidend davon ab, dass die vereinbarten Pfade auch tatsächlich verlässlich beschritten werden“. Spontane Zugaben „für die mit relativ hohen Rentenniveaus ausgestatteten heutigen Rentner“ seien eine zusätzliche Belastung für die Zukunft – „vergleichbar einer Kreditaufnahme“.

Weil die Älteren immer mehr werden, wächst ihr politisches Gewicht. Altbundespräsident Roman Herzog warnte schon vor einer „Rentner-Demokratie“, in der „die Älteren die Jüngeren ausplündern“.

Aber vielleicht sind unsere Senioren gar nicht so egoistisch? Die im Mai gegründete Partei „Wir Rentner machen mobil“ beteuert zum Beispiel: „Es ist der jüngeren Generation lohnabhängig ar-beitender Versicherter nicht zumutbar, die erforderlichen riesigen künftigen Leistungen allein zu erbringen.“

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