Metall- und Elektro-Industrie: Neue Umfragen erhellen ein Reizthema

Arbeitszeit – wie ticken da die Mitarbeiter, was wollen die Betriebe?

Das deutsche Arbeitszeitgesetz gibt Obergrenzen für den täglichen Einsatz vor. Aus Sicht der meisten Metall- und Elektro-Betriebe ist das nicht mehr zeitgemäß. Und ihre Mitarbeiter könnten mit Änderungen durchaus leben!

Wie sollen wir’s anpacken? Der betriebliche Alltag erfordert modernere Regeln. Foto: Mauritius

Wie sollen wir’s anpacken? Der betriebliche Alltag erfordert modernere Regeln. Foto: Mauritius

Berlin. Manche Vorschrift im Lande passt nicht mehr recht ins Zeitalter des Smartphones und der Online-Wartung von Maschinen. Das hat man im Arbeitsministerium erkannt, das treibt Gewerkschaften ebenso um wie Arbeitgeber. Von der Schlüsselindustrie Metall und Elektro (M+E) kommen nun wichtige Hinweise darauf, was Betriebe benötigen – und wie Beschäftigte das sehen.


Eine zentrale Erkenntnis: Die gesetzliche Zehn-Stunden-Grenze für den täglichen Einsatz sowie die vorgeschriebene Ruhezeit (mindestens elf Stunden) passen nicht mehr zum betrieblichen Bedarf bei der Arbeitszeit. Diese sollte nicht mehr streng taggenau, sondern wochenbezogen betrachtet werden, wie es die entsprechende EU-Richtlinie vorgibt. Dafür gab es jeweils klare Mehrheiten in einer Umfrage der Kölner Beratungsfirma IW Consult unter mehr als 1.000 M+E-Unternehmen.

Was halten die Mitarbeiter davon? Das zeigt eine Emnid-Umfrage unter M+E-Arbeitnehmern. Auch mal länger als zehn Stunden pro Tag zu schaffen – das wäre demnach für 15 Prozent kein Problem. Weitere 62 Prozent fänden das unter der Voraussetzung in Ordnung, dass sie selbst darüber entscheiden können.

„Persönliche Bedürfnisse“ werden oft berücksichtigt

Eine kürzere Ruhezeit als elf Stunden billigt eine knappe Mehrheit (52 Prozent), wobei vielen dann wichtig wäre, bei der Gestaltung der Arbeitszeit mitreden zu können. Ebenfalls interessant: 48 Prozent aller Metaller dürfen ihre tägliche Arbeitszeit „kurzfristig an persönliche Bedürfnisse anpassen“, können also recht spontan später kommen oder früher gehen. Für weitere 24 Prozent gilt das zumindest manchmal.

Dass sich aber der Einsatz auf Anweisung der Firma kurzfristig ändert, erleben 70 Prozent selten oder nie. Von denen, die überhaupt von solch abrupten Vorgaben betroffen sind, haben sechs von zehn kein großes Problem damit. Ein Reizthema: „ständige Erreichbarkeit“. Dass sie zumindest in Ausnahmefällen nach Feierabend erreichbar sind, haben sieben von zehn Metallern angekreuzt. Aber nur einer von zehn gibt an, dass das vom Betrieb stillschweigend oder ausdrücklich gefordert wird.

Übrigens: Was ist den Mitarbeitern wohl wichtiger, mehr Entgelt oder mehr Einfluss auf die eigene Arbeitszeit? Da stimmt eine Zwei-Drittel-Mehrheit – fürs Geld.

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