Erfolg mit 55 plus

Arbeitsmarkt: Warum die Älteren besonders vom Job-Wunder profitieren

Damit ist Deutschland Spitzenreiter in der Euro-Zone: Immer mehr Ältere arbeiten. Von 2005 bis 2015 stieg die Erwerbstätigenquote bei den 55- bis 59-Jährigen von 64 auf 77 Prozent und bei den 60- bis 64-Jährigen von 30 auf 53 Prozent.

Gut dabei: „Best Ager“ stehen jüngeren Kollegen in nichts nach. Foto: Getty

Gut dabei: „Best Ager“ stehen jüngeren Kollegen in nichts nach. Foto: Getty

Duisburg. Allen politischen Turbulenzen zum Trotz – die deutsche Wirtschaft wächst, der Arbeitsmarkt brummt. 43,5 Millionen Menschen waren im Durchschnitt des letzten Jahres berufstätig – absoluter Rekord! Und mehr als eine Million Stellen sind frei.

Das Job-Wunder geht weiter. Ganz besonders profitiert davon die Generation 55 plus. „Die Zunahme der Alterserwerbstätigkeit ist der stärkste Wandel in der Sozialstruktur der letzten 20 Jahre“, stellt Professor Martin Brussig fest, Leiter der Forschungsabteilung Arbeitsmarkt an der Universität Duisburg-Essen.

Bei den 55-Jährigen und Älteren erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 2007 bis Mitte letzten Jahres um 2,6 Millionen. Auch bei den Jüngeren legte sie zu, um 2 Millionen.

Die Agenda 2010 zeigt ihre Wirkung, die Abschaffung der steuerfinanzierten Arbeitslosenhilfe im Anschluss an das Arbeitslosengeld. Um nicht in die 2005 geschaffene Grundsicherung – Hartz IV – abzurutschen, suchen sich Ältere eher einen neuen Job.

Vor der Agenda 2010 hatten sich viele Ältere aus dem Arbeitsmarkt verabschiedet und überbrückten die Jahre bis zur Rente oder Frührente mit staatlicher Hilfe.




Damals hieß es oft: Die Älteren werden eh nicht gebraucht. Doch das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Bei den 55- bis 59-Jährigen stieg der Anteil der Berufstätigen seit 2005 von 64 auf 77 Prozent (Stand: 2015), bei den 60- bis 64-Jährigen von 30 auf 53 Prozent.

„Damit ist Deutschland inzwischen Spitzenreiter in der Euro-Zone“, so Brussig. Und die Zahlen könnten sogar noch besser ausfallen. Die Einführung der „Rente mit 63“ aber hat dazu geführt, dass seit 2014 gut Ausgebildete wieder vermehrt vorzeitig aussteigen.

Entsprechend kritisch äußert sich der Arbeitgeberdachverband BDA. „Wir könnten heute über 90.000 Ältere mehr beschäftigen“, sagt Christina Ramb, Abteilungsleiterin Arbeitsmarkt. Das liegt vor allem am Fachkräftemangel.

Beruhigend für alle ab 55: Ihr Risiko, arbeitslos zu werden, ist um ein Drittel niedriger als das aller Arbeitnehmer.

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Es brummt: 43,7 Millionen Erwerbstätige haben im ersten Quartal 15,3 Milliarden Stunden gearbeitet – ein Plus von 3,2 Prozent. „Der Beschäftigungsaufbau hat sich verstetigt“, sagt Professor Enzo Weber vom Forschungsinstitut IAB.

Die Große Koalition hat sich zu wenig um zukunftssichernde Reformen gekümmert. Dabei gibt es da reichlich Handlungsbedarf! AKTIV zeigt auf, was Wirtschaftsforscher in zentralen Politikbereichen empfehlen.

aktualisiert am 13.01.2017

Immer weniger Aktive müssen die Rentner finanzieren. Deshalb sinkt das „Sicherungsniveau“ der Rente. Nun will die Politik ein Mindest-Niveau fixieren. Was das kostet, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) errechnet.

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