Der Staat schwimmt im Geld

Arbeitnehmer in Deutschland zahlen höhere Abgaben als in anderen Ländern

54 Milliarden Euro mehr Steuergeld als bisher erwartet fließen bis 2021 in die Staatskasse. Grund genug, die Bürger zu entlasten, meinen Ökonomen. Zumal Steuern und Sozialabgaben bei uns vergleichsweise hoch sind.

Gut gefüllt: Schon 2016 blieben in den öffentlichen Kassen 23,7 Milliarden Euro Überschuss. Foto/Montage: Roth, Fotolia

Gut gefüllt: Schon 2016 blieben in den öffentlichen Kassen 23,7 Milliarden Euro Überschuss. Foto/Montage: Roth, Fotolia

Berlin. Geldsegen für die öffentlichen Kassen: 732,4 Milliarden Euro wird der Staat in diesem Jahr kassieren, so die aktuelle Steuerschätzung. Und bis 2021 kann er mit ganzen 54 Milliarden Euro mehr rechnen, als die Steuerschätzer noch bei ihrer letzten Prognose im vergangenen Herbst erwartet hatten. Der Kreis der Steuerschätzer setzt sich zusammen aus Experten von Bund, Ländern, Bundesbank, Kommunalverbänden, Forschungsinstituten und Statistikamt.


Wichtigster Grund für die fetten Einkünfte: Der Arbeitsmarkt brummt. Im März waren 43,8 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig, 641.000 mehr als im Jahr zuvor. Damit zahlen auch mehr Bürger Einkommensteuer. Und die Tarifentgelte sind im letzten Jahr um durchschnittlich 2 Prozent gestiegen. Die Einkommensteuer macht zusammen mit der Mehrwertsteuer zwei Drittel der öffentlichen Einnahmen aus.

Wäre es da nicht angebracht, die Bürger bei der Steuer zu entlasten? Zumal die Abgabenlast, also Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, in Deutschland überdurchschnittlich hoch ist.

Das hat die Denkfabrik der westlichen Industrieländer, OECD, erneut festgestellt: Selbst bei einem Durchschnittsverdiener geht knapp die Hälfte des Gehalts für Abgaben an den Staat drauf. 49,4 Prozent kassieren Staat und Sozialkassen zum Beispiel bei Alleinstehenden mit einem Bruttomonatsverdienst von 3.700 Euro – inklusive der Arbeitgeberbeiträge.

Im Schnitt der OECD-Länder sind es 36 Prozent. Nur in Belgien sind die Abzüge mit 54 Prozent noch höher. „Bei allen untersuchten Haushaltstypen liegt die Belastung in Deutschland über dem Durchschnitt“, so der Bericht. Dabei schneiden auch Länder mit vergleichbar starken Sozialsystemen besser ab, etwa Schweden (42,8) oder Dänemark (36,5). In Europa hat die Schweiz die niedrigste Belastung mit 21,8 Prozent, weltweit ist Chile mit 7 Prozent konkurrenzlos.

Dass selbst gut verdienende Facharbeiter bei uns recht stark geschröpft werden, liegt auch an der niedrigen Schwelle für den Spitzensteuersatz. Diese 42 Prozent werden bereits bei einem monatlichen Brutto von rund 5.300 Euro fällig (mehr dazu: aktiv-online.de/spitzensteuer).

Ökonomen plädieren deshalb für eine höhere Schwelle und für eine deutliche Entlastung der Steuerzahler. Das ergab eine Umfrage des Ifo-Instituts in München unter 100 Professoren. 41 von ihnen halten eine Steuersenkung um 20 bis 30 Milliarden Euro jährlich für angebracht.

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